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Full text: Japanischer Farbholzschnitt und Wiener Secession

gleichen Zeit die wichtigste Interpretation dieses Themas in der Malerei die berühmte 
Salome von Gustav Klimt ist, die in der GalleriaNazionale d’Arte Moderna in Venedig 
unter dem Namen „Giuditta“ aufbewahrt wird (Abb. 12, Taf. 147). 
Klingers Denkmal Beethovens war mit der Ehrung Wagners in der Kritik des bedeu 
tenden Kunsthistorikers Josef Strzygowski einzigartig in Einklang gebracht worden: 
„Man errichte eine musiklische Weihestätte, wie sie sich Wagner gedacht hat, gebe ihr 
die Richtung auf die Wahrung des Stiles der Beethovenschen Symphonie und baue 
hinter das Orchester ein Denkmal, worin Klingers Beethoven steht, und das erste 
moderne Heiligtum wird vor uns stehen.“ (56) In diesem Abschnitt Strzygowskis 
steht die sakrale Auffassung der Kunst im Einklang mit der Modernität, dies spiegelt 
ein typisches Phänomen der Wiener sezessionistischen Dichtung wider. Ebenso steht 
die Interpretation des Themas „Salome“, das in literarischen, theatralischen wie figu- 
ralen Formen in der europäischen Kunst innerhalb weniger Jahre immer wieder 
kehrt, in Einklang mit jener intimen Fusion der künstlerischen Versuche, die von den 
Befürwortern der Sezession als eine Zielsetzung der zeitgenössischen Kunst gewünscht 
worden war. 
Als das Salome-Motiv die Form der musikalischen Komposition erreichte, zeigte sich 
auch die sehr enge Verbindung zwischen Wagner und Strauss, weil sich die Verbindung 
der Gestalten Kundry-Salome von selbst ergibt (nach dem allegorischen „Ausweg“, der 
bereits in der Kultur des Symbolismus verwendet wurde): die fatale Frau mit medusischer 
Schönheit war von Fernand Khnopff versinnbildlicht und auserwählt worden, damit 
die weiblichen Teilnehmer der Liberty-Art-Nouveau-Sezession durch ein extremes 
Beispiel ihren eigenen Typus finden sollten. Es ist kein Zufall, daß am Beginn des 
zweiten Aktes des Parsifal Klingsor die Kundry aus der Verzauberung durch Betonung 
ihrer Ähnlichkeit mit Herodias wachruft: (134—135. Teil) 
„Herauf! Herauf! Zu mir! Dein 
Meister ruft dich Namenlose, Urteufelin, Höllenrose! 
Herodias warst du, und was noch ? . . . 
Kundry hier!“ 
Ebenso im zweiten Akt (2. Bild) ist das Thema, mit dem die Verzauberung Parsifals 
durch den ersten und zweiten Chor der Zaubermädchen Klingsors anfängt, im 
-Takt in As-Dur: (Teil 162—163) 
„Laß mich dir blühen! 
Dir zur Wonn’ und Labe 
gilt mein minniges Mühen!“ 
Dies ist zweifellos eine Art von Stellvertretung — im figuralen Sinn , die der 
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