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Full text: Japanischer Farbholzschnitt und Wiener Secession

neuen Gesellschaftsschicht aber und ihre Interessen spiegelt der Farbholzschnitt 
wider, der zunächst das Werk von Künstlern war, die durch eine soziale Kluft von 
den etablierten Meistern aus berühmten Malerfamilien getrennt blieben. Maler und 
Zeichner, die die Entwürfe für Holzschnitte lieferten, waren zwar unter der Großstadt 
bevölkerung durchaus bekannt und berühmt, sie signierten auch ihre Werke, galten 
aber doch eher als Handwerker denn als Künstler. Obwohl die Kenntnis des Holz 
plattendruckes in Japan bereits seit dem 8. Jahrhundert nachgewiesen werden kann, 
spielte der Holzschnitt während des Mittelalters, das durch den Hofadel, die Priester 
schaft und den Ritterstand, die Samurai, geprägt war, neben der aristokratischen 
Kunst der Malerei nur eine untergeordnete Rolle. 
Der Holzschnitt stand damals in erster Linie im Dienste der buddhistischen Religions 
propaganda. 
Während des 15. und 16. Jahrhunderts fand der Holzschnitt zur Illustration volks 
tümlicher Erzählungsliteratur Verwendung, bis schließlich während der ersten Hälfte 
des 17. Jahrhunderts die ersten echten Farbholzschnitte in wissenschaftliche Werke 
aufgenommen wurden. 
Der erste Künstler, der der modischen Bilderwelt der neuen Gesellschaftsschicht 
der Tokugawa-Zeit im Holzschnitt Form gab, warHishikawa Moronobu (1625—1694). 
Unmittelbares Vorbild und Anregung zu seinem Schaffen lieferte die etwa gleich 
zeitige Sittenmalerei. Während der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts setzte sich 
zunächst der Maler Iwasa Matabe, selbst Mitglied der höfischen Kreise, neben den 
durch lange Tradition geheiligten Themen des gehobenen Stiles mit der bisher 
fehlenden Darstellung von Szenen aus dem täglichen Leben auseinander. Sein Werk, 
dem im Zusammenhang mit den erwähnten historischen Veränderungen reges 
Interesse entgegengebracht wurde, fand Nachfolge in der Ukiyoe-Schule, den Bildern 
der vergänglichen, fließenden Welt, von denen schließlich der Holzschnitt seinen 
Formenkanon zunächst in Schwarzweißblättern ableiten konnte. 
Während der erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts einsetzenden Blütezeit des 
Farbholzschnittes können die Holzschnitte in verschiedene Typengruppen zusammen 
gefaßt werden, so den Buchillustrationen zu Geschichten und Romanen, den 
Holzschnittserien aus Einblattdrucken, die das Leben in dem Freudenviertel, dem 
Yoshiwara, schilderten oder Szenen aus Romanen und historischen Erzählungen 
zeigten, ferner Einzelblättem mit Porträts der Lieblingsschauspieler, der Kurtisanen 
und Ringkämpfer sowie den Glückwunschblättern zu Neujahr und Kalenderblättern. 
Die ersten Zweifarbendrucke gehen auf Okumura Masanobu (16867—1768) zurück, 
der auch die aus Europa übernommene Zentralperspektive in den japanischen 
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