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Volltext: Meißener Marken: Original, Imitation, Verfälschung, Fälschung

Mit großer Wahrscheinlichkeit kann man annehmen, daß der Dekor des Eierbechers in Um 
druck hergestellt wurde, und vermutlich zog man bei den anderen Objekten diese Dekora 
tionstechnik in bestimmtem Umfang heran. Oft läßt sich die Verwendung einer solchen 
Technik gerade bei Unterglasurdekoren schlecht feststellen, weil Motive in Unterglasurfar 
ben oft leicht verschwommen wirken. Wir werden später auf die Schablonierung, auf den 
Stahl- und Kupferdruck und den Scharffeuerdekor noch eingehen; hingewiesen sei auf ei 
nen Grenzbereich: die Kombination von Umdruck und Handmalerei. Auch in Manufakturen, 
die ihre Zwiebelmusterdekore als Handarbeit ausgeben, sind manchmal die Konturen im 
Umdruck aufgebracht und nur händisch ausgemalt. 
Bei der Erzeugung größerer Mengen eines beliebten Dekors entspricht eine solche Zuhilfe 
nahme mechanischer Vervielfältigungsmethoden dem Gesichtspunkt rationeller Arbeit. 
Die „Gräfl. Thun’sche Porzellanfabrik“ in Klösterle bei Karlsbad wurde 1794 gegründet. 
Zwiebelmusterporzellan erzeugte sie wahrscheinlich erst ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhun 
derts. Im Jahre 1896 wird im Adreßbuch (S. 225) erwähnt, daß zur Produktion auch Service 
und Gebrauchsgeschirre ,,Weiss, mit Malerei auf und unter Glasur“ gehörten; vermutlich 
waren darunter auch Zwiebelmusterporzellane. Dieser Dekor wird in einem Inserat im 
Adreßbuch von 1913 direkt angesprochen: „Gebrauchsgeschirre aller Art. Karlsbader Kaf 
feemaschinen und Wiener Teemaschinen in Weiss u. Blau Zwiebeldekor“ (Adreßbuch 1913, 
S. 154). In den Adreßbüchern von 1907 und 1913 wird neben der Malerei der Fabrik auch 
eine eigene Druckerei angegeben; das heißt aber nicht, daß Drucktechniken dieser Fabrik 
vor 1907 unbekannt gewesen wären. Vor allem der Kupferumdruck war den meisten böhmi 
schen Fabriken schon im 19. Jahrhundert geläufig. 
Klösterle-Porzellane sind häufig - wie auch einige unserer Beispiele - mit dem TK (=Thun 
Klösterle) gekennzeichnet, Buchstaben, die farblos in die Masse gestempelt wurden. Die 
eingepreßte TK-Marke ist in den Adreßbüchern von 1887 bis 1913 enthalten, war aber auch 
schon vor 1887 (vermutlich schon ab 1830) in Verwendung. 
1 
; 
Abb. 183. Marke des Tellers Abb. 190, Wilhelmsburg/ 
Niederösterreich, eingestempelt (H 25 mm). - Wiener 
Privatbesitz 
222
	        
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