PEITSCHENMARKE (SCHLANGENSTAB, STABMARKE, MERKURSTAB,
AESKULAPSTAB ODER CADUCEUS)
Sowohl über die Bezeichnung dieser Marke als auch über die Art ihrer Verwendung gehen
die Meinungen der Fachleute weit auseinander. Die Plerkunft des Markenbildes - ein von ei
ner Linie schlangenartig umwundener Stab - ist umstritten. Hofmann (1932, S. 302) leitet
das Zeichen von der einer ostasiatischen Marke nachgebiideten „Drachenmarke” ab:
mit einem weiteren Zeichen, einer Art Schlangenstab, das fälschlich als ,Merkurstab’
oder als .Aeskulapstab’ bezeichnet wird. Es ist wahrscheinlich nichts anderes als eine Art
Abkürzung der Drachen-Marke; auch hier hat man das ursprünglich eingeführte Bild in der
Praxis als zu umständlich empfunden und hat sich mit einem Teil desselben geholfen, indem
man den Drachen wegließ und nur den Schwanz auftrug.“
Doenges (1907, S. 215) erwähnt, es sei möglich, daß mit dieser Marke „eine Anspielung be
absichtigt war auf den Beruf, von dem (der Apothekerlehrling) Böttger zur Porzellanberei
tung herkam. Denn es ist kaum anzunehmen, daß man in Meißen den Merkur- mit dem Aes
kulapstab verwechselte.“
Auch Walcha (1973, S. 497) bringt diese Marke mit Böttger in Verbindung: er (der Aes
kulapstab) ist eher als Anspielung auf die von einem Apotheker entdeckte Neuerfindung des
Porzellans zu deuten.“ Berling (1900, S. 157/158) schließt diese Möglichkeit kategorisch
aus:
„Der sogenannte Merkurstab muss gleichfalls als Ausnahmemarke bezeichnet werden. Der
eigentliche Merkurstab oder das Kerykeion des Hermes zeigt nun zwar stets einen von zwei
Schlangen umwundenen Stab und ist meist geflügelt. Den Stab, den nur eine Schlange um
schlingt, führt Aeskulap. Dieser kann hier aber wohl nicht in Frage kommen. Ob nun die Fa
brikleitung bei der ersten Anwendung dieses Zeichens nicht an das Attribut des Handels
dachte oder ob sie es nur aus Unkenntnis von der gewöhnlichen Darstellung abweichend
gestaltete, ist schwer zu sagen. Missverstanden konnte aber dieses Zeichen in Meissen um
so eher werden, als es - meiner Vermutung nach - nicht aus eigenem Antrieb, sondern auf
Veranlassung des türkischen Kaufmannes Manasses Athanas zuerst angewandt wurde.“
Noch schroffer als bei der Diskussion um die Bezeichnung dieser Marke prallen die Meinun
gen aufeinander, wenn es um den Verwendungszweck der „Peitschemarke” geht. „Aus un
bekannten Gründen“, bemerkt Rückert (S. 37/38), „führte man in der Meißener Manufaktur
anscheinend 1721/22 eine Markierung der Geschirre durch die in Unterglasurblau aufge
malte sogenannte Merkurstab- oder Aeskulapstabmarke ein, auch Peitschen marke genannt,
die mindestens bis 1731 in Gebrauch war und in zahlreichen Abwandlungen vorkommt.“
Auch Walcha (1973, S. 497) wendet sich gegen eine bestimmte Ansicht, die weiter unten
noch ausführlich besprochen werden soll, wenn er sagt: „Er (der Aeskulapstab) wurde kei
neswegs - wie man oft lesen kann - für Lieferungen an südosteuropäische Länder verwen
det.“ Im Gegensatz dazu stehen mehrere Autoren, wie etwa Hannover und Hofmann. Han
nover fand den „Caduceus” sowie chinesische Symbole vor allem auf Exportporzellan, be
sonders auf den sogenannten „Türkenkoppchen” (S. 105: „Neitherthe caduceus . . . nor
the Chinese Symbols are found on the oldest and finest porcelain, but for the most part on
blue-and-white and other export porcelain, such as the so-called Jürckencopgen’, of the
period 1727 - 1735“), und Hofmann (1932, S. 302) bemerkte: „Das Zeichen kommt bereits
1722 vor, also noch früher als die K.P.M.-Marke. Ganz sicher wurde diese Marke nur für ei
nen bestimmten Zweck verwendet, und es ist sehr plausibel, daß sie eigens für den Export,
vor allem nach der Türkei, bestimmt war. Urkundlich gesichert ist jedenfalls die Bitte eines
türkischen Agenten (vom Jahre 1732), die Türkenkoppchen nicht mit der Schwertermarke,
sondern mit einem anderen Zeichen zu versehen. Die Veranlassung zu diesem Wunsche
war eine sehr eigenartige Feststellung: die Türken sahen in der Schwerter-Marke anfänglich
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