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Full text: Einige Skizzen, Projekte und ausgeführte Bauwerke von Otto Wagner

Miethäuser) absolut ausschließen, resultiert daraus, daß das Kaiser Franz 
Josef-Stadtmuseum, da eben nur dieses den gestellten Bedingungen ent 
spricht, an diese Stelle kommen muß und daß meine Vorschläge schon 
aus diesem Grunde die einzig durchführbaren sind. 
Alle und von wem immer für die Regelung des Karlsplatzes ausge 
arbeiteten Projekte gingen von der Voraussetzung aus und haben es als 
Postulat hingestellt, daß die linke und rechte Flanke der Kirche gleich sein 
müssen. Jetzt aber soll die rechte Flanke ohne Rücksicht auf die linke in 
der Art durchgeführt werden, daß weder auf die Symmetrie der Flanken, 
noch auf die richtige Durchführung der Canovagasse, noch auf die Ruhe 
der Platzwand Rücksicht genommen ist und überdies die „Technik” einen 
künstlerisch völlig unmotivierten schiefen Anbau bekommt, der auch dieses 
symmetrisch geplante Bauwerk in ein unsymmetrisches verwandeln wird. 
Da an eine Entfernung des Gebäudes der Technischen Hochschule 
aus ästhetischen und ökonomischen Gründen nicht zu denken ist und bei 
der Protestantischen Schule gleiche Verhältnisse obwalten, so bleibt als 
einzige Lösung der südwestlichen Platzwand nur ein Mittel, nämlich aus 
der Not eine Tugend zu machen und zu oben bezeichneten Bauten einen 
dritten Bau zu stellen, welcher die südwestliche Platzwand vervollständigt 
und als vorgeschobenes Risalit in den noch immer 100.000 m 2 großen Platz 
hineinragt. 
Das Gefühl der Symmetrie, welches in uns allen hauptsächlich für große 
Stadtplätze geradezu eingewurzelt ist, findet durch diese Disposition die 
möglichste Befriedigung und alle anderen schwebenden Fragen, wie die 
Naschmarktfrage, die Durchführung der Margaretenstraße, der optische 
Abschluß der Wienzeile etc. erhalten durch diese Disposition eine günstige 
Lösung. Die Marktfrage speziell dadurch, daß die Stände für den Detail 
verkauf der Marktwaren, wie aus dem Projekte ersichtlich, in eine Radial 
straße zu liegen kommen, also regeren Geschäftsverkehr voraussetzen 
lassen, während der für dieses Stadtbild höchst unpassende Großmarkt, 
von den Ständen eingeschlossen, aus dem Straßenbilde verschwindet. 
Da dieser Markt auf der ganzen Wienflußlänge bis Schönbrunn projek 
tiert ist, kann er diverse vorsintflutliche Märkte (Stände auf der Maria- 
hilferstraße, den Rudolfsheimer Markt, den Heumarkt etc.) in sich auf 
nehmen und würde durch diese Lösung unsere Stadt eine radial gelegene 
Marktstraße, also eine völlig praktische Neuerung erhalten. Eine doppel 
geleisige elektrische Frachtenbahnanlage kann diesem Markte eine beson 
dere Bedeutung verleihen. 
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