MAK

Full text: Einige Skizzen, Projekte und ausgeführte Bauwerke von Otto Wagner

Diese Repräsentationsbauten sind von einer 5 m breiten und 10 m 
hohen geschnittenen Buchenwand umsäumt, hinter welcher sich die Ateliers 
(Schulen und Specialschulen etc.) befinden. 
Diese Umsäumung erweitert sich hinter der Aula zu einem Platze, 
welcher grosse Plastiken, Baufragmente etc. aufnehmen kann und der 
gleichzeitig als Aufstellungsplatz für Wagen dient. 
Lage, Belichtung, Ausgestaltung und leichte Auffindbarkeit der Ateliers 
etc., ihre ungleiche, nur dem Zwecke entsprechende Form, endlich die oben 
angeführten Gründe machen ein Verzichtleisten auf jede malerische Gruppi- 
rung derselben zur Bedingung. 
Der Complex, auf welchem sich der Neubau der Akademie erheben 
soll, wird von vier Strassen begrenzt. Diese Strassen wurden regulirt und er 
weitert, und zwar die vorne und rückwärts gelegene auf 25m, die seitlichen 
auf 15 m. 
Der Mittelbau ist 58 m von der Strasse entfernt und bildet mit den 
beiden 230 m abstehenden Flügelbauten den schon erwähnten 13.340 m 2 
grossen Ehrenhof. 
Die ganze Bauarea wird von einer Einfriedung umschlossen, welche 
aus einem Eisengitter mit Pfeilern und dahinterstehender, r8o m hoher, 
075 m breiter Ahornhecke (acer monspessulanum) besteht. 
Diese Einfriedung hat fünf Thore, von denen die zwei rückwärtigen 
als selten zu öffnende Durchfahrtsthore (Zufuhr von Steinen, Gips, Kohle, 
Holz etc.) dienen, während die drei an der Hauptfront gelegenen als 
eigentliche Eingänge zu gelten hätten. Von diesen Thoren wäre das 
mittlere Ehrenthor nur bei Repräsentationsanlässen, das rechtsseitige nur 
erforderlichenfalls (Durchfahrt schwerer Wagen) zu öffnen, während das 
linksseitige, neben der Haltestelle der Stadtbahn gelegene, ein ständig 
offenes, mit Controle versehenes Thor wäre. An diesem Thore befindet 
sich eine geräumige heizbare Portiersloge und damit in Verbindung ein 
zierlicher leichter Bau, die Räume für Affichen (Schwarzes Brett), den 
„Bummel” der Akademiker und eine Fahrradremise enthaltend. 
Durch das Ehrenthor gelangt man auf den erwähnten Vorplatz und 
hat der Eintretende von hier den besten Standpunkt (zweimal die Kuppel 
höhe) zum Betrachten der Bauanlage. Einige Stufen führen auf ein Pla 
teau, eine weitere Anzahl in die Unterfahrt, endlich zum Hauptthore der 
Ehrenhalle. Umsäumt wird dieses Plateau von zwei Rampen, welche mit 
einer Steigung von 4 Percent wieder die Unterfahrt (i'öß m Terrainhöhe) 
erreichen lassen. 
Der Mittelbau, die Ehrenhalle, hat zum Theile zu Repräsentations 
zwecken, zum Theile als Vorhalle der Aula zu dienen. Seine äussere und 
innere Ausschmückung ist daher eine reichere; er ist als ein quadratischer 
Bau auf vier durch Bogen verbundene Pfeiler projectirt. Die structive 
Nothwendigkeit der Pfeilerverstärkung ist durch Vorlagen gekennzeichnet. 
Diese Vorlagen lösen sich in ein Blumenornament auf, das ewig neu er- 
spriessende Schöne in der Kunst symbolisirend. 
Zwei Pylonen mit Emblemen, auf Wahrheit und Dichtung weisend, 
zwischen welchen Alles, was Kunst ist, liegen muss, flankiren den Haupt 
eingang. Die vier Disciplinen, Architektur, Bildnerei, Malerei und Graphik, 
krönen die Pfeiler und verbinden sich mit Figurengruppen, Lehrer und 
Schüler darstellend, welche diesen Disciplinen zustreben, zu Eckakroterien. 
Drei Tafeln ober den Fensterbögen, von Genien flankirt, künden dem 
Beschauer den Zweck und die Herstellungszeit des Bauwerkes. 
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