Gewiss wird schon durch diese eine Reflexion die Composition des
Bauwerkes stark beeinflusst und ist anzunehmen, dass auch in optischer
und akustischer Beziehung Resultate zu erzielen sein werden, welche zu
erreichen unseren Vorfahren versagt blieb.
An die Lösung der Raumfrage schliessen sich eine Unzahl von An
forderungen praktischer und hygienischer Natur an; auch diese gewärtigen
eine gedeihliche Lösung durch die Moderne.
Schlecht ventilirte Kirchenräume mit ihren bei warmer Witterung oft
sehr bedeutenden Temperaturdifferenzen, die stets kalten und feuchten
Fussböden, die Unmöglichkeit der Beheizung des Kirchenraumes, Zugluft,
unbequeme Treppen, welche überdies oft noch atmosphärischen Nieder
schlägen ausgesetzt sind, der Mangel von Brunnen und Closets, die un
genügende Belichtung vieler Räume und die damit verbundene schwierige
und ungenügende Reinigung derselben, die häufige Reparatursbedürftigkeit
dieser Bauwerke und die damit verbundenen grossen Kosten, eine un
genügende Anzahl von Ein- und Ausgängen, freistehende Kanzeln mit un
bequemem Zutritt für den Prediger, ein völliges Vernachlässigen aller
akustischen und optischen Forderungen in Bezug auf Kanzeln und Altäre,
der Mangel eines Raumes bei Unglücksfällen und so vieles Andere sind
Dinge, welche unseren heutigen Anschauungen geradezu Hohn sprechen.
Die vorliegende Studie strebt die Lösung dieser Fragen an.
Als Beispiel ist ein Kirchenbau im Bezirke Währing auf dem alten,
nicht mehr belegbaren Friedhofe in Aussicht genommen.
Es soll damit auch die Frage der Auflassung der Friedhöfe wieder in
Fluss gebracht und eine Lösung empfohlen werden, welche der Verfasser
schon vor vielen Jahren in Vorschlag brachte, nämlich das successive Auf
lassen durch zeitweiliges Erhalten von Gräberinseln und deren allmälige
Verkleinerung und Nachschmückung mit Bäumen und Sträuchern, wo
durch ermöglicht wird, den ganzen Friedhof mit der Zeit in einen Park um
zugestalten.
Die Pietät für eine solche Stätte ist wohl am besten durch den Bau
einer Kirche gewahrt, welche sich mit dem auf angedeutete Art entstehen
den Parke zu einem einheitlichen Bilde vereinigt.
Es empfiehlt sich, um einen Theil der Anlage als rückwärtigen Ab
schluss — und wurde dies auch in der vorliegenden Studie angenommen —
eine Pergola anzuordnen, bestimmt eine Reihe von Ehrengräbern aufzu
nehmen; dieserart würde die Erinnerung an unsere grossen Todten den
Lebenden nähergerückt, als dies durch die heutige Anordnung auf dem
Centralfriedhofe der Fall ist. Auch der Hinweis auf die Poesie des Fried
hofes mit seinem „memento mori” kann im Realismus des modernen Städte
bildes gewiss nicht schaden. Ob diese Pergola nun bestimmt ist, die Denk
mäler und die Leichen aufzunehmen, oder nur die ersteren, mag vorläufig
unerörtert bleiben.
Der Kirchenraum der projectirten Kirche ist kreisförmig. Diese Form
ermöglicht constructiv die geringste Mauerstärke bei grösster Raumdimen-
sionirung.
Ein drastisches Beispiel für die Wahl dieser Form geben wohl unsere
modernen Gasometer.
So profan auch dieses Wort klingen mag, so darf doch nicht vergessen
werden, dass jenes Bauwerk der Antike, welches die grösste Raumwirkung
aufweist, das Pantheon in Rom, auch unsere heutige Gasometerform als
Basis hat.
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