MAK

Full text: Einige Skizzen, Projekte und ausgeführte Bauwerke von Otto Wagner

wegs aus Künstlern besteht, welche noch nicht durch Erfahrung gestählt sind oder welchen bisher 
keine Gelegenheit geboten wurde, ihre Kraft im Monumentalbaue zu zeigen. Eben dadurch erscheint 
das leicht begreifliche Mißtrauen der Auftraggeber motiviert. 
Diese und ähnliche Gründe haben den Verfasser dieses Projektes bewogen, aus eigener Initiative 
mit einer Arbeit, für welche eine Preisbewerbung in Aussicht genommen ist, hervorzutreten.’' 
Dem hier erwähnten und durch einige Klischees gezeigten Agitations 
projekte folgte eine allgemeine Ideenkonkurrenz und ein engerer Wett 
bewerb. 
Es kann hier nicht davon die Rede sein, so verlockend es auch wäre, 
eingehend den Kampf zu schildern, der sich gelegentlich dieser Konkur 
renz abspielte. Mein Bestreben ist vielmehr darauf gerichtet, nur Tatsäch 
liches und Argumente anzuführen, welche beitragen, die Kunst unserer 
Zeit zu fördern. 
Leider muß festgestellt werden, daß eine Förderung der Kunst und 
in erster Linie der Baukunst schon seit Jahren nur mehr den Künstlern 
selbst obliegt, da der kunstfördernde Menschentypus, in welchem sich 
richtiges Kunstempfinden, Macht und Ruhmessinn vereinigen, beinahe 
ausgestorben erscheint. 
Der Auftraggeber für baukünstlerische monumentale Werke, also der 
Kunstförderer von heute ist die Allgemeinheit, respektive die sie repräsen 
tierende Korporation. Eine Förderung der Kunst ist daher wieder nur 
dann möglich, wenn es einem oder mehreren Mitgliedern solcher Korpo 
rationen, mit gleichem Kunstempfinden und gleicher Überzeugung und 
Energie ausgerüstet, gelingt, sich zu wirklichen Führern der anderen zu 
erheben. Schwer fällt hiebei in die Wagschale, daß sich zu den erwähnten 
Erscheinungen die seit acht Jahrzehnten praktizierten künstlerischen Be- 
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