Bei Lösung dieses Problems stoßen wir auf einen der eingangs er
wähnten groben Fehler, der alle bisherigen Studien, Projekte und Modelle
durchzieht und dessen glückliche Eliminierung diese Studie bringt.
Nicht Säulen, Giebel, Aufbauten, Risalite allein verursachen die bei
den Modellen SO DRASTISCH HERVORGETRETENE UNRUHE AN
DER KARLSPLATZECKE, SONDERN DAS ZERSCHNEIDEN DER
BAUAREA DURCH DIE ZWISCHEN DEM MUSEUM UND DER
MODERNEN GALERIE FÜHRENDE STRASZE und die daraus fol
genden Konsequenzen. Es ist ästhetisch einfach unmöglich, zwei Bau
werke wie Museum und moderne Galerie mit den durch ihren Zweck be
dingten Auszeichnungen der Hauptfassaden und Portale neben die reich
bewegte Karlskirche zu stellen. Der Grundfehler liegt also in der Parzel
lierung und in der damit verbundenen Lozierung der Haupteingänge.
Wird die trennende Straße, deren Kommunikationswert gleich Null
ist, deren Nachteile aber die denkbar größten sind, aufgelassen, so entfallen
mit einem Schlage all die Ungeheuerlichkeiten der Platzkonfiguration, all
die krampfhaften Ecklösungen etc. und an Stelle der so störenden Verti
kalabteilungen kann die erwünschte ruhige Fläche und gerade Abschluß
linie treten.
Da es leicht möglich ist, die Karlsgasse an der Ausmündung des Karls
platzes mit einem Doppeltrakte zu überbauen und die dort zur Vergrö
ßerung der „Technik” nötigen Bauwerke als Spiegelbild des Museums zu
gestalten, so entsteht wie von selbst die geschlossene, ruhige und sym
metrische Platzwand.
Gewiß wurde das durch den jetzt aufgefundenen Fehler bedingte un
günstige Resultat beinahe von allen, welche die Modelle sahen, gefühlt, es
bleibt aber Aufgabe des Künstlers, solche Fehler aufzudecken. Sicher wäre
dies vor Herstellung der Modelle geschehen, wenn man meine damals ge
stellte Bitte erfüllt hätte.
Durch die Vereinigung der beiden Bauplätze wird das Stadtmuseum
und die moderne Galerie unter ein Dach gebracht, ein Umstand, der sicher
lich kein großer Vorteil, aber auch kein Nachteil ist, der aber in bezug auf
eine nur SUKZESSIVE Vergrößerung der Galerie eher als Vorteil bezeich
net werden kann.
Durch diese Vereinigung und die neue Konfiguration der Bauarea
fallen dem Projektanten tatsächlich eine ganze Serie der einschneidendsten
Ameliorierungen in den Schoß.
So wird der bisher so knapp bemessene Platz des Museums durch den
Wegfall der Straße um 82676 m 2 vergrößert und braucht seine Längen
dimension nicht mehr ängstlich geschützt zu werden, sondern sie läßt ge
gen die ehemalige Lastenstraße die erforderliche bedeutende Entwicklung
mit Leichtigkeit zu.
So verlegt sich naturgemäß der Eingang des Museums an die Stirn
seite des Platzes, welche Annahme wieder zur Folge hat, daß alle stören
den, früher kaum zu bezwingenden Ecklösungen entfallen und die monu
mentale, richtige Verbindung mit dem bisher als Zwitter mitgeschleppten
Empfangsbau hergestellt wird.
So wird die ästhetisch nötige starke Betonung des Bürgermeister
saales im Museum durch eine an dieser Stelle nicht störende Bekrö
nung zum ausklingenden Akkord des Gesamtbildes.
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