MAK

Full text: Die Keramik der Wiener Werkstätte : Originalkeramiken 1920 - 1931

Sehraufschlußreich für die bei der Wiener Werkstätte selbst vorhandenen Rohmateria 
lien, Werkzeuge etc. ist die Inventur vom 31. Dezember 1929. Dort werden folgende 
Material- bzw. Warengruppen bewertet: „Rohmaterial“, „In Arbeit befindliche Stücke“, 
„Halbfertigfabrikate“, „Glasiert fertig zum Brennen“, „Einmal gebrannt“, „In der Werk 
stätte befindliche Musterstücke“, „Werkzeuge“, „Gipsmodelle ab 1.7.29“, „Gipsformen 
ab 1. 7. 29“, „Gipsformen und Modelle bei d. Fa. Keramos“. 
Jene Bereiche, die offenbar auch für die Erzeugung von Originalkeramiken von Bedeu 
tung waren, seien im folgenden behandelt. Dank der genauen Inventuren wissen wir 
relativ gut über die in der Keramikabteilung verwendeten Rohmaterialien Bescheid. Die 
Inventur von 1929 führt die nachstehenden Rohmaterialien und ihre Bewertung (auf die 
hier verzichtet wird) an: 
„Ton, Scheibbser-Ton, Steingut-Ton, AtzgersdorferTon, Gips, Kies, Schamott, Abfall 
schamott, Schamottmehl, Div. Glasuren, U-Glasuren, Abfallglasuren, Kocks, Kohle, 
Kohle Esterhazyg., Schellack, Lack, Terpentin, Plastillin,Traganth, Div. Ölfarben, Seife, 
Rüböl, Siegellack, Benzin, Bleichromat, Kupferoxyd, Neapelgelb, Cobaltoxyd, 
Manganoxyd, Zinkoxyd, Uranoxyd orange, Antimonoxyd, Uranoxyd, U. No 62, U. No 98, 
Feldspat, Kies, Minium, Kaolin, Borax, Borsäure, M. 6., M. 59, Cobalt-Carb., Nickeloxyd, 
Smalte, Eisenoxyd, Zinnoxyd“. Die Rohmaterialien, die sich in der sogenannten „Ent 
wurfsabteilung“ befanden, waren: „Ocker, Urannitrat, Oxalsaures Cobalt“. Im Abschnitt 
„Halbfertigfabrikate“ der Entwurfsabteilung werden auch drei Künstlerinnen (Baudisch, 
Kopriva und Rix) genannt: „Frau Rix: 1 Madonna roh, 1 Vase roh, 1Trapper; Fräul. Kopriva: 
1 Figur sitzend roh, 1 Figur v. Fräul. Baud, roh, 1 Kopf, roh, 1 Kopf roh geb., 3 Spieler, roh 
geb., 1 Halbfigur roh geb.; Fräul. Baudisch: 1 Relief“. 
In der Inventur von 1929 waren auch die Werkzeuge der Gießerei, der Formerei, der Dre 
herei, der „Retusch“, der Malerei, der Schlämmerei und des Brennhauses (in der Wie 
ner Werkstätte und in der Esterhazygasse) sowie der Entwurfsabteilung enthalten. 
Obwohl alle diese Angaben für die keramische Arbeit in der Wiener Werkstätte von gro 
ßem Interesse sind, werden hier nur zwei Gebiete herausgegriffen (in den geplanten 
Publikationen über die vervielfältigte Keramik der Wiener Werkstätte wird dann auch 
den anderen Bereichen der ihnen gebührende Platz eingeräumt). 
Zum Inventar des Brennhauses der Wiener Werkstätte gehörten: 
„1 Gattofen (wohl Glattofen!), 1 Rohofen, 1 Schaufel, 2 Schürstangen, 2 Hammer, 1 Hak- 
ke, 2 Töpfe, 1 Schleifmaschine, 1 Schleifstein, 1 Wassertopf gr., 1 Pinsel, 22 Schamott 
platten 44 x 32 x 2,16 Schamottplatten 30 x 25 x 2,1 Kegelform, 1 Augenglas, 27 Seger- 
kegel 07,23 Segerkegel 08,2 Segerkegel 09,1 Handlampe, 16 Kappsein, 3 Klammern, 
30 Segerkegel 011, 30 Segerkegel 012, Div. Schamotte-stützen-platten u. Steine“. 
Im Brennhaus Esterhazygasse befanden sich: 
„div. Schamottstützen, 1 Pfandei, 2 Hammer, 1 Klammer, 1 Meisel, 2 Schürstangen, 1 
Hacke, 2 Eimmer, 1 Kanne, 1 Sieb, 1 Ofen, 1 Metermass, 6 Pinseln, 2 Maurerpinseln, 2 
Besen, 1 Brille, 1 Kaminbesen, 29 Kegel 09,1 Schleifmaschiene, 2 Schleifsteine, 1 Uhr, 1 
Verbandkasten, 1 Handlampe, 1 Sessel, 1 Kleiderrechen, 1 Steinzeugwanne, 1 Glattofen, 
1 Walcher, 3 Scheiben“. 
Für die Entwurfsabteilung wurde folgendes Inventar angegeben: „2 Scheiben, 4 
Abdreheisen, 2 Ränderscheiben, 2 Marmorplatten, 3 Wasserbehälter, 10 Modellierhöl 
zer (v. Lehrmädel), 1 Modelliereisen, 1 Messer, 1 Ziehklinge, 3 Dreiecke, 3 Pinseln, 1 
Schwamm)“. 
Sehr aufschlußreich in bezug auf die Brenntemperatur ist die Art und Zahl der verwen 
deten Segerkegel, die ja bekanntlich zur Kontrolle des Brandes dienten. Aus den oben 
zitierten Inventuren geht hervor, daß Segerkegel Nr. 07,08,09,011 und 012 vorhanden 
waren. Sollten diese Segerkegel mit den Segerkegeln Nr. 07a, 08a etc. identisch sein, 
so stehen sie für eine Brenntemperatur von etwa 855 bis 960 Grad Celsius. 
20
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.