1 3 BLATT AUS DEN SOGENANNTEN „MANTEGNA-TAROCCHl“
Taf. 1, 2
Schule von Ferrara, um 1460—1465
Kupferstich, teilweise zart koloriert
18: 10 cm
E 4 MERCHADANTE
D 20 APOLLO
B 32 CHRONICO
Letzteres Blatt ist ein sehr später Abzug schlechter Qualität. Links unten Restaurier
stelle mit eingesetztem Papier und gegenüber dem Original etwas veränderter
Zeichnung.
K. I. 887
Die Serie der sogenannten „Tarocchi“ besteht aus fünfmal zehn Blättern, die in
der Zeit zwischen 1460 und 1467 von einem Künstler aus der Schule von Ferrara,
der wahrscheinlich dem Kreis des Francesco Cossa zugehörte, geschaffen wurden.
Die Folge ist ebenso fälschlich Mantegna zugeschrieben, wie es falsch ist, sie als
Tarocke zu bezeichnen. Zwar stimmen einige Darstellungen thematisch mit echten
Tarockkarten überein; die starken literarischen Bezüge christlichen und heidnischen
Gedankengutes weisen jedoch darauf hin, daß es sich um ein humanistischen Ideen
der Renaissance entsprechendes, in seinen Regeln uns unbekanntes Spiel handelt.
Die fünf Hauptgruppen des Spieles sind durch Buchstaben und Zahlen gekenn
zeichnet.
E 1—10 Die Rangfolge der Menschen
D 11—20 Apollo und die neun Musen
C 21—30 Die Künste und Wissenschaften
B 31—40 Die Tugenden und kosmischen Prinzipien
A 41—50 Die Planeten und Himmelssphären
Lit.: Bartsch, Bd. 13, pag. 106, 132 und 134 (= Bartsch A., Le Peintre Graveur,
Vienne 1803—1821.) — Hind Arthur, Early Italian Engraving, Catalogue Bd. 1,
London 1938, S. 221—240, EI, 4a; EI, 20a; EI, 32a. — Kat. Albrecht Dürer,
Nürnberg 1971, S. 106, Nr. 176. — Holfmann Detlev, Die Welt der Spielkarte,
München 1972, S. 19f., Kat.- und Abb.-Nr. 21 (mit umfassendem Literatur
verzeichnis).
2 1 BLATT AUS EINER SERIE VON KOPIEN DER „MANTEGNA
TAROCCHI“ Taf. 2
Möglicherweise Florentiner Kupferstecher
Um 1490
C 27 POESIA
Kupferstich, 17,3 : 9,4 cm
K. I. 888
Das Blatt, eine seitenverkehrte, etwas verkleinerte und auf unüblichem Papier
gedruckte Kopie der „Tarocchi“, verändert das dekorative System des Brunnens
gegenüber dem Vorbild. Der Abzug ist sehr spät und weist hohen Verlust der
Tonigkeit auf.
Lit.: Bartsch, Bd. 13, pag. 126, Nr. 44. — Hind, El, 27b.
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