3 EIN BLATT AUS EINER DEUTSCHEN FOLGE VON KOPIEN DER
„TAROCCHI“ Taf. 3
Johann Ladenspelder, 1548
A 48 OCTAVA SPERA
Kupferstich, beschnitten
16,3: 8,8 cm
IC. I. 889
Ein geflügelter Genius hält eine mit Sternen übersäte Kugel, das Weltall, in beiden
Händen. Der Genius, nach dem Ptolemäischen Weltsystem die achte Sphäre, gibt
den ersten Anstoß, das „primum mobile“, zur Weltbewegung. Auch Dürer hat sich
in seinen Kopien der „Mantegna Tarocchi“ mit dieser Darstellung auseinander
gesetzt.
Lit.: Bartsch 9, 11—15 und Bd. 13, pag. 130. — Passavant, IV, Nrn. 19—25
(= Passavant J. D.: Le Peintre Graveur, Leipzig 1860—1864).
4 23 KARTENBLÄTTER MIT DEUTSCHEN FARBEN, AUSGELÖST
AUS EINEM BUCHDECKEL VOM JAHRE 1569
Monogramm M.S.H. auf Herz 6
Datiert 1560, auf Eichel-As
Deutschland, Sachsen
Holzschnitt, Reste alter Bemalung
7,5: 6 cm
K. I. 3692
Die Karten Herz-Ober, -Unter, 3, 4 und Laub-Ober bringen recht gut gezeichnete
Kostümfiguren mit Federhut und Pelzwerk, deren Meister auf Herz 6 mit M.S.H.
monogrammiert ist.
Auf Herz 4 hält ein Waidjunge zwei ungeduldige Hunde an der Koppel, auf Herz 5
steht zwischen zwei undeutlich gewordenen Männern auf dem Boden ein großer
Wappenschild mit dem Halbmond. Die genaue Datierung ist auf Eichel-As, auf
welchem ein Löwe das Wappen mit den zwei gekreuzten Schwertern (Sachsen)
hält, gegeben: auf einer Bandrolle ist die Jahreszahl 1560 angebracht.
Der Zustand der Karten ist schlecht, da sie als Makulatur verwendet worden waren.
Daraus erklärt sich auch die Unregelmäßigkeit und Zufälligkeit der Zusammen
setzung.
Eben dem Umstand aber, daß seit der Mitte des 16. Jahrhunderts Buchbinder
Klebepappe für Einbände verwenden und zur Herstellung derselben oft verdruckte
Spielkartenbogen oder abgebrauchte Karten benützten, ist es zu verdanken, daß
wir über das Aussehen der normalen Spielkarten im 16. Jahrhundert informiert
sind.
Das deutsche Kartenspiel dürfte etwa gleichzeitig mit dem italienischen aufgetreten
sein, also in der Zeit um 1370—1380, und kennt die Bildkarten König, Ober und
Unter sowie die Farbzeichen Eichel, Blatt, Herz und Schelle. Das heute kanonische
deutsche System scheint sich aber erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts heraus
gebildet zu haben; deutlich faßbar jedenfalls wird es nach dem Dreißigjährigen Krieg.
Werte:
Herz-Ober, -Unter, 3, 4, 6, 8, 9, 10
Laub-Ober, 6, 7, 8, 10
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