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Full text: Spielkarten und Kartenspiele

unter Blumen und Reisiggirlanden beim Mahl dargestellt. Es sind adelige Hochzeits 
gäste, die sich scherzhalber als Bauern kostümiert haben. 
Der Vorreiter auf Blatt V trägt als Spruch: 
„Nur frisch nur munter, nur allert 
in dem es selbst die zeit begehrt.“ 
Blatt X mit einem Wagen: 
„alhier auf disen Jäger Wagen 
läst sich von guten Wildpret sagen.“ 
Blatt XVIII mit dem Musikantenwagen: 
„bey vergnügten Musik machen 
mus das herz vor freude lachen.“ 
Während des 18. Jahrhunderts brachte man in Deutschland immer mehr Kartenspiele 
heraus, die dem eigenen Geschmack und nicht dem Formenkanon folgen. Lediglich 
die Bildkarten König, Dame, Reiter, Bube bleiben der alten Tradition treu. In den 
Tarocks aber kann willkürlich und je nach Wunsch der Auftraggeber jedes Thema 
Darstellung finden. 
Werte der Bild- und Zahlenkarten: 
Herz-Cavall 
Karo-Dame 
Karo-Bube mit dem Wappen mit dem bayrischen Löwen 
Pik-Cavall 
Treff-Dame 
Herz-As und Treff 10 
Lit.: Chmelarz, S. 269ff. — Hargrave, Cath.: A History of Playing Cards, New York 
1930, S. 132. — Vgl. auch Hoffmann, S. 36 und Abb. 55 a. 
17 46 BLATT AUS EINEM KARTENSPIEL MIT FRANZÖSISCHEN 
FARBEN Taf. 14 
Johann Hieronymus Loeschenkohl 
Wien 1806 
Signiert: Auf Karo-Dame und Karo-Valet: M. (Mayer, ein Mitarbeiter von Loeschen 
kohl) 
Kupferstich, handkoloriert 
8,6: 5,7 cm 
K. I. 13391/1—46 
Entsprechend den volkstümlichen Graphiken Loeschenkohls, die vor allem lokale 
Aktualitäten, Zeitereignisse sowie das Wiener Theaterleben behandeln, entspricht 
auch dieses Kartenspiel dem Geschmack und Interesse der Gesellschaft des frühen 
19. Jahrhunderts. Es bringt auf den Bildkarten Figurinen aus verschiedenen Theater 
stücken, auf den Zahlenkarten Blumenbilder zur Darstellung. Die Figurinen spiegeln 
möglicherweise zeitgenössische Theaterstücke wider. Vorbild hierzu sind wohl die 
Cotta’schen Spielkartenalmanache, die zwischen 1805 und 1811 erschienen. Wie 
Detlev Hoffmann meint, wurden derartige Spielkarten kaum zum Spielen verwendet. 
Man darf annehmen, daß sie als Visitenkarten oder Liebesbrieflein ihren Zweck 
erfüllten. Dem würden auch die Blumenbildchen auf den Zahlenkarten in höchstem 
Maße entsprechen. 
Beschriftung: 
Könige, Damen und Buben mit Roi, Dame, Valet 
19
	        
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