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MAK

Full text : Joseph Binder

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10  Binders  Botschaft
„Joseph  Binder  über  die  Entwicklung  des  zeitgemäßen ­
  Stils“,  mit  dieser  Aufschrift  erschien
die  Veröffentlichung  der  Einleitung  der  Kurse
Binders  in  Amerika  im  ,,American  Magazine  of
Art“  der  American  Federation  of  Art,  Washington, ­
  Juli  1936,  mit  Abbildungen  der  Arbeiten  der
Kursteilnehmer.
Wagners  ,,Meistersinger“,  die  Lobpreisung  von
Kunst  und  Kunsthandwerk,  welche  von  den
Kunsthandwerkern  dieser  Periode  geschaffen
und  als  solche  vom  Publikum  speziell  anerkannt
wurden.  Das  ist  ein  Beweis,  daß  der  kreative
Genius  der  Künstler  instinktiv  empfunden  wurde.
Kleider,  Möbel  und  andere  Artikel  des  täglichen
Lebens  waren  nicht  nur  das  Problem  der  Erzeugung, ­
  sondern  beanspruchten  ebenso  künstlerische ­
  und  schöpferische  Gestaltung.  Eine  Produktion ­
  ohne  kreative  Impulse  gab  es  nicht  in
dieser  Zeit.
Was  das  Mittelalter  als  Kunsthandwerk  bezeichnete,
  hat  seine  Analogie  in  der  angewandten
Kunst  der  anderen  Perioden,  aus  welchen  uns
die  erhalten  gebliebenen  Gegenstände  die  Verbindung ­
  von  Kunst  und  Zweck  vermitteln.  Die
Kunstformen  der  vergangenen  Zeiten  entstanden ­
  aus  dem  Geist  der  Zeit.  Das  Übereinkommen ­
  der  vorherrschenden  Zeitidee  mit  der  kreativen ­
  Kunstform  wurde  ,,Stil“  genannt.
Das  Christentum  war  der  fast  ausschließlich  bestimmende ­
  Geist  des  Mittelalters.  Die  gotische
Kunst  in  allen  Arten  der  Darstellung  diente  der
Auslegung  der  Glaubensbotschaft  für  die  des

Lesens  und  Schreibens  unkundigen  Gläubigen.
Die  Häuser  waren  im  gotischen  Stil  erbaut,  die
Wohnräume  mit  Möbeln  gotischen  Stils  ausgestattet, ­
  die  Kleider  der  Menschen  im  gotischen
Stil.
Die  Werke  Dantes  und  dessen  Entdeckung  der
Schönheit  klassischer  Kunst  und  auch  die  allumfassende ­
  Liebe  zur  Natur  des  Franziskus  von
Assisi  gaben  den  zeitgemäßen  Anstoß  zu  der
neuen  Kunstepoche,  der  Renaissance.  Die  unpersönliche, ­
  starre  Pracht  der  byzantinischen
Kunst  und  die  Mystik  der  gotischen  Kunst  waren
überwunden.  Die  religiösen  Skulpturen  wurden
weniger  abstrakt.  In  den  Bildern  der  Renaissance ­
  ist  die  Madonna  einfach  die  Mutter  mit
ihrem  Kind.  Mit  dem  erwachenden  Interesse  an
weltlichen  Dingen  wurden  auch  die  Themen  der
Kunst  weltlich.
Das  Portrait  prominenter  Persönlichkeiten  kam
als  Thema  in  dieser  Periode  zur  Geltung.  Ein
anderes  Resultat  war  die  glanzvolle  Entfaltung
der  verschiedensten  Kunstformen,  und  der
Wunsch  zur  Verherrlichung  der  Macht  gab  auch
dem  Handwerk  einen  neuen  Impuls,  für  welches
das  „goldene  Zeitalter“  begann.
Die  Reaktion  auf  die  Reformation,  die  ,,Gegenreformation“, ­
  trug  zur  Entwicklung  des  neuen
Stils  bei,  des  Barock.  Die  Atmosphäre  der  zeremoniellen ­
  Pracht  und  des  Absolutismus  reflektiert ­
  sich  in  den  Bauten  der  Kirchen,  der  Paläste
und  der  Ziergärten  dieser  Periode.
In  der  ersten  Hälfte  des  19.  Jahrhunderts  war
            
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