MAK
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GOTISCHE PLASTIK VON 1370—1500 
bearbeitet von Rudolf Bachleitner 
Der Dombau von St. Stephan war neben dem des Prager Veits- 
Domes das gewaltigste Bauvorhaben des 14. Jahrhunderts. 1359 
legte Herzog Rudolf IV., der Stifter, persönlich den Grundstein 
zum gotischen Langhausbau. Damals aber waren die bildhaue 
rischen Arbeiten in gleicher Weise, wie der Dombau als solcher, 
Anliegen der Bauhütte. Ihre Leistungen zählen heute noch zum 
besten künstlerischen Bestand des Domes. Zunächst ist es die 
reiche plastische Ausschmückung der beiden Fürstentore: die 
Portalplastik des Bischof Stores mit dem Marientod und die Portal- 
figureri des Singertores mit der vielfigurigen Szenenfolge der 
Bekehrung, Taufe und Marter des hl. Paulus. Besonders mit dem 
letzteren besitzt der Stephansdom „das bedeutendste Werk der 
Zeit um 1375 nördlich der Alpen“ (Karl Maria Swoboda), in dem 
Gestaltungsproblcme späterer Perioden vorweggenommen werden. 
Hier hat ein Künstler räumlich gruppierte Reiterfiguren in einem 
Bewegungsreichtum und in einer Dynamik der Wendungen ge 
schaffen, wie sic erst ein Meister von der Kraft eines Leonardo 
in dem Carton zur Schlacht von Anghiari 1503/6 oder Rubens 
m seinen Werken zum Ausdruck zu bringen imstande war. 
Dann sind es eine Reihe von sechs überlebensgroßen Porträt 
plastiken für die Langhaus- und Turmfassaden des Domes, sowie 
die Grabfiguren Rudolf IV. und seiner Gemahlin Katharina. 
Aus dieser zusammengehörigen Gruppe ragt als späteste Figur die 
iles Herzogs Albrecht II. hervor. Sie ist „ein Standbild im 
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