Stück. Die Dachdeckung kann erst begonnen werden, bis die
ganze Konstruktion fertig ist, sowohl über dem Langhaus als auch
über dem Chor, was im Lau fe des Jahres 1949 zu erwar
ten ist.
Vom Beginn der Wiederaufbauarbeiten an setzten sofort die
Steinmetzarbeiten ein. Begonnen wurde mit der Wiederherstellung
der Fenstermaßwerke, damit das Langhaus geschlossen und bis
zur Fertigstellung neuer Steinmetzbaracken als Werkplatz be
nützt werden konnte. Die meisten Maßwerke wiesen Beschädi
gungen auf, das große 15 m hohe und 4 m breite Westfenster
mußte zur Gänze erneuert werden.
Im Langhaus, dessen Fertigstellung wegen einer baldigen Auf
nahme des Gottesdienstes in erster Linie beschleunigt wurde,
mußten alle Gewölbe und alle Rippen, die durch die Erschütte
rung der beim Brande auffallenden Hölzer in ihrem Bestand
stark gelitten hatten, gewissenhaft untersucht und erneuert wer
den. Ungefähr 3000 Quadratmeter Gewölbeflächen sind rekon
struiert und beiderseits mit neuem Verputz versehen worden;
die Länge aller Rippen im Langhaus beträgt 4.358 m, entspricht
also ungefähr der Länge der Ringstraße.
Der Verputz der Gewölbe des Langhauses ist fertig und in
kurzer Zeit werden die Gerüste entfernt werden können.
Für die Verglasung der Fenster mußte eine vorläufige Lösung
gefunden werden. Weil farbloses Glas in der erforderlichen
Menge von 684.50 Quadratmeter nicht zu beschaffen war, ist
alles in Wien verfügbare farbige Glas in schwach gefärbten
Tönen schon 1945 aufgekauft und in kleinen 12x20 cm großen
Scheiben mit Bleiruten eingeglast worden.
Diese Art der Verglasung ist zum Beispiel in Schweden in zahl
reichen mittelalterlichen Kirchen üblich.
Im Chor sind die schwersten baulichen Schäden durch den Ein
sturz der Gewölbe und den Brand verursacht worden. Das er-
84