ZUM GELEIT
Die Verbringung des Pariser „HERBST-SALONS“ nach Wien
bezeichnet einen neuen Schritt im Zuge jener kulturellen Austauschbeziehungen,
die für Österreich, und Frankreich, zwei
Länder von alter Kultur, zu allen Zeiten nutzbringend waren.
Sie beweist heute ganz besonders, welches Maß von Verständnis
und von Unterstützung dem neuen Österreich von einem
Lande entgegengebracht wird, das Selbst von der Übermacht vergewaltigt,
vom Kriege verwüstet, vom Feinde besetzt wurde —
und trotzdem in kühner Wiedererhebung, mit den Waffen in der
Hand, seine Freiheit zurückeroberte.
Diese Ausstellung ist in meinen Augen aber auch das lebende
Symbol des Vorranges der geistigen Werte, die, allen materiellen
Schwierigkeiten zum Trotz und geläutert und gestärkt, durch
eine Reihe von Prüfungen, nach finsterer Nacht in desto hellerem
Glanze erstrahlen.
Sie spiegelt schließlich die Willenskraft eines Volkes wider,
das, im Innersten seines Lebens bedroht, doch entschlossen war,
nicht von der Bühne der Geschichte zu verschwinden. So ist sie
eine freundschaftliche Botschaft der Französischen Republik an
die junge Republik Österreich.
Die Ausstellung des „HERBST-SALONS“ ist ein glänzendes
Zeugnis für den Glauben Frankreichs an die Zukunft einer Kultur,
die aus den tiefsten Quellen ihrer Vergangenheit die Elemente
des Glaubens und der Hoffnung schöpft. Sie ist meiner
Meinung nach ein neuer Beweis des Vertrauens, das mein Land
in das Schicksal des neuen Österreich setzt.
Es schien mir in der Tat, daß der „HERBST-SALON“, dieser
brodelnde Schmfelztiegel, der seit Anfang des Jahrhunderts eine
immer wachsende Rolle in der französischen Kunstentwicklüng
gespielt, so viel für ihre Ausstrahlung in die Welt getan und so
vielen jungen Talenten ermöglicht hat, ans Licht zu kommen und