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Full text: Albrecht Dürer und die Graphik der Reformationszeit

ranke besteht. Weiter das Blatt der Vermählung Mariens, 1504, mit einem dem 
letzteren sehr verwandten ornamentierten Bogen und einem Durchblick in einen 
italienischen Frührenaissanceraum mit gotischem Gewölbe. 
Eine ähnliche Situation charakterisiert auch das sehr realistisch von einer gedrängten 
genreartigen Gruppe erfüllte Bild der Beschneidung von 1503, in dem in einen 
einfachen, glatten, tonnengewölbten Renaissanceraum ein knotenartig verschlungenes 
Astwerkornament eingesetzt ist. 
Unterschieden von diesen Bildern mit vorherrschendem Innenraum sind einerseits 
jene mit überwiegendem Freiraum, andererseits jene mit „romantischen Ruinen“, 
letztlich Elementen der Donauschule. Zu den Ruinenbildern gehören die Geburt 
Christi von 1503 und die Anbetung aus dem gleichen Jahr, die beide Traditionen 
des 15. Jahrhunderts folgen. 
Eine Zwischenlösung bringt das Opfer Joachims, das in einem leicht verfallenden 
spätgotischen Raum mit genremäßiger Darstellung stattfindet. Hier und bei dem 
Bild der Vermählung Mariens ist ein symbolischer Zusammenhang zwischen der 
Handlung und den differenten Architekturteilen sicher. 
Die Freiraumbilder gehören einer letzten Gruppe an: 
Die Verkündigung an Joachim von 1503 in einer mit der Donauschule in Verbindung 
stehenden Landschaft, die gleichzeitige Heimsuchung mit einem strengen Gebäudeteil 
an der linken Seite und einer weit in die Tiefe führenden Gebirgslandschaft als 
Haupthintergrund. Die Flucht nach Ägypten in einem „romantischen“, tiefen Wald 
im Sinne der Donauschule mit Reminiszenzen in Dattelpalme und Figurengruppe 
an Bildtypen des 15. Jahrhunderts rund um Michael Pacher. 
In dem Blatt mit der Ruhe auf der Flucht von 1501/02 ist die Vermenschlichung 
und Volkstümlichkeit am allerstärksten vorhanden. Nicht nur durch den arbeitenden 
Josef, die spinnende Maria und das Kind in der Wiege wie auch die in arbeitende 
Putten verwandelten Engel, sondern besonders durch die Architektur, die der 
unmittelbaren Umgebung Dürers entnommen scheint. 
Die Darstellung des Abschiedes Christi, 1504, bringt in den architektonischen 
Elementen eine interessante Antithese durch das einfache, holzgezimmerte Gebäude 
um Maria und die beiden Frauen und die großartige Burg, die die Welt bedeutet, 
im Mittelgrund des Bildes. Als Zentrum der Komposition die sehr männliche Figur 
Christi. Die spätesten Blätter der Reihe, die Himmelfahrt, 1510, und das Titelblatt 
von 1511, zeigen als einzige Andachtsbildkompositionen. Die Himmelfahrt, eine 
konventionelle Marienkrönung in den Wolken, und das Titelblatt, ein mütterlicher 
Marientypus, schwebend auf der Mondsichel im Strahlenkranz, ohne Andeutung 
einer Räumlichkeit. Aus alledem wird deutlich, daß sowohl ikonographisch, mit 
symbolischem und programmatischem Bezug, wie in der Komposition die Absicht 
besteht, neue Wege zu beschreiten, bei denen die Verbindung von Elementen aus der 
Tradition des 15. Jahrhunderts mit völlig neuen Überlegungen der Frührenaissance 
durch die einzelnen Elementen gegebenen Bedeutungen durchgeführt werden soll. 
18 TITELBILD: MARIA IM STRAHLENKRANZ, 1511 Tafel 3 
21:19,5 cm; Zustand vor der Textfassung 
Erschienen als Titelbild zu der Buchausgabe des Marienlebens von 1511 mit den 
Versen des Chelidonius. Die Studie, die Dürer benutzte, muß in Aufsicht auf eine 
auf einem Kissen über der Erde sitzende Frau gezeichnet worden sein, da die 
zugehörigen Rasenecken auch in die Mondsichel übernommen wurden. 
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