Tafel 41: Entgegen der Darstellung der Szene der Gesetzgebung auf dem Titelblatt
mit Gottvater in Menschengestalt wollte Beham in seiner Illustration zum Bibeltext
des 19. Kapitels des 2. Buches Mose, Fol. XXXII v., die Erscheinung Gottes nur
als eine Vision des Moses aufgefaßt wissen. Beham war 1524 mit seinem Bruder
Barthel und Georg Pencz wegen Vertretung revolutionärer Ideen Karlstadts und
Münzers als angeblich gottloser Maler aus Nürnberg ausgewiesen worden. Seine
Freundschaft für die Bilderstürmer reichte zwar nicht, um ihn von Illustrationen
biblischer Texte ganz abzuhalten, hier aber deutet er Gott nur als flammendes Antlitz
an und scheint sich damit der Meinung jener anzuschließen, die das Gebot von
Exodus 20, Dekalog 2, entgegen Luther radikal vertreten.
Literatur:
B. VIII, S. 230, 1—73 — Rosenthal, L.: H. S. Behams alttestamentarische Holz
schnitte und deren Verwendung zur Bücherillustration 1529—1612, in: Rep. f.
Kunstwiss., Bd. 5, 1882, S. 379ff. — Pauli, S. 257ff„ 272—356 — Clemen, O.:
H. S. Behams Holzschnitte zum Alten Testament, Zwickau 1910 — Dodgson,
Catalogue, I, S. 440, 1; S. 442, 13; S. 446, 2, und S. 448 ff. — Krücke, A.: Der
Protestantismus und die bildliche Darstellung Gottes, in: Z. f. Kunstwiss., 13, 1959,
S. 73 f. Hollstein, III, S. 166 — Schmidt, Ph.: Die Illustrationen der Lutherbibel
1522—1700, Basel 1962, S. 175f.
51 CHRISTUS IN DER GLORIE
Kupferstich, 6,9:9,9 cm
3. Zustand; 3 Strichlagen im Schatten der Fahne; die Schattenpartien an Brust und
Bauch noch nicht mit derben waagrechten Linien überstochen
Ritter, S. 53; Inv. Nr.: 3529 (42/15)
Unten links die Tafel 1546, unten rechts die Tafel HSB
Der auferstandene Christus, nur mit einem Tuch bekleidet, auf der Weltkugel.
In der Linken hält er die Kreuzfahne, die Rechte ist segnend erhoben. Hinter der
Figur ein mandelförmiger Nimbus mit der Schrift: „Mir ist geben aller Gwalt / Im
Himel und Erden. In der Mitte oben die Taube des Heiligen Geistes, in Wolken
Engel.
Beham, der selbst stark an religiösen Veränderungen seiner Zeit teilnahm, gestaltet
in dem vorliegenden Blatt das zentrale Christusbild der neuen Lehre. Das traditionelle
Bild von Christus, dem Weltenrichter, wich nach der Veränderung der Christus
vorstellung durch die Reformatoren jenem des gnadenbringenden Erlösers. Der die
Wundmale zeigende Salvator läßt die Menschen an seiner Gnadenfülle teilhaben,
anstatt sie nach dem Maß ihrer frommen Werke zu richten.
Feine Zeichnung aus dünnen, engen Strichen. Die Christusfigur ist sehr männlich
und statuarisch, der umgebende Raum phantastisch aus Strahlen, Wolken und
Engelsköpfen. Ein Typus, der für die Entstehung des kleinen Andachtsbildes von
größter Bedeutung ist.
Literatur:
B. VIII, S. 129, 30 — Pauli, S. 42, 32 — Hollstein, III, S. 29.
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