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Full text: Albrecht Dürer und die Graphik der Reformationszeit

61 MONSTRANZ MIT CHRISTUS AM KREUZ 
Tafel 48 
Holzschnitt, 13:7 cm 
Auf der Rückseite des Blattes der hl. Bernhard vor dem Schmerzensmann mit 
Monogramm (geflügelte Schlange auf der Steinbank), B. 57 
Schestag, S. 175; Inv. Nr.: 1751 (128/6) 
Diese Holzschnitte entstanden gleichzeitig mit jenen des Wittenberger Heiligtumsbuches 
und wurden in Rhaws Wittenberger Ausgabe des Hortulus Animae verwendet. 
Das ganz nach Art der Wittenberger Reliquien dargestellte Objekt ist ein spät 
gotisches Ostensorium mit einem wohl gravierten Bild der Kreuzigung in einem 
edelsteinbesetzten Ornamentrahmen. Die Zeichnung scheint eine von den sehr 
kostbaren Goldschmiedearbeiten eines durch mehrere Objekte vertretenen süd 
deutschen Typus des ausgehenden 15. Jahrhunderts zum Vorbild gehabt zu haben. 
Der Fuß des Ostensoriums ist hier gegenüber den erhaltenen Objekten ungewöhnlich 
und auch unwahrscheinlich in seiner etwas stark krausen und knolligen Bildung 
des spätgotischen Astwerks. Diese Abweichung entspricht ganz dem frühen Witten 
berger Stil Lucas Cranachs um 1508/10, der in Ornamentik, Landschafts- und 
Figurendarstellung noch weitgehenden Zusammenhang mit der Donauschule verrät. 
Literatur: 
B. VII, 83 — Dodgson, Catalogue, II, S. 292, 51 — Zimmermann, H.: Folgen, 
a. a. O., S. 22, No. 96, und S. 31 ff. — Hollstein, VI, S. 53, No. 77. 
LUCAS CRANACH D. J. 
Geboren 1515 in Wittenberg, gestorben 1586 in Weimar. Aufgewachsen als Schüler 
seines Vaters, arbeitete er sein ganzes Leben als Maler und Zeichner in dessen 
Werkstatt. Mehr Formalist als dieser und künstlerisch weniger bedeutend, führte er 
Cranachs d. Ä. Werkstatt nach dessen Übersiedlung nach Weimar fort und übernahm 
sie zur Gänze nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1553. 1565 war er Bürgermeister 
von Wittenberg. Später übersiedelte auch er an den Hof des Kurfürsten nach Weimar. 
Literatur: 
Passavant, IV, 24ff. 
Dodgson, Catalogue, II, S. 338ff. 
Hollstem, VI, S. 121 ff. 
62 BIBLIA, DAS IST DIE GANTZE HEILIGE SCHRIFFT DEUTSCH . . . 
NÜRNBERG, JOHANN VON BERG UND ULRICH NEUBER, 1560 
Folioausgabe 
Drei getrennte Paginierungen mit eigenen Titelblättern zu den Propheten und zum 
Neuen Testament, zahlreiche Holzschnittillustrationen, in Analogie zur Ausstattung 
48
	        
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