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Full text: Albrecht Dürer und die Graphik der Reformationszeit

TOBIAS STIMMER 
Geboren 1539 in Schaffhausen, gestorben 1584 in Straßburg. In seiner Jugend lernte 
der Maler, Zeichner und Formschneider Stimmer wohl zuerst bei seinem Vater, 
dann wahrscheinlich in Zürich und in Murano, möglicherweise auch in Konstanz. 
Ab 1562 ist er in Schaffhausen ansässig. Zwischen 1568 und 1570 übersiedelte er 
nach Straßburg, wo er, vorwiegend als Illustrator tätig, 1582 das Bürgerrecht erwarb. 
Dort entstanden auch die Bibelillustrationen, denen er seinen Ruf verdankt. In der 
Zeit zwischen 1578 und 1584 war er mehrmals in Baden-Baden als Freskomaler 
tätig. 
Literatur: 
Bartsch, IX, 330—350. 
Passavant, I, 79, 232, und III, 453/58. 
Stolberg, A.: Tobias Stimmer, sein Leben und seine Werke, Stud. z. 
Kunstgesch., Bd. 31, Straßburg 1901. 
Thöne, F.: Tobias Stimmer, Handzeichnungen mit einem Überblick 
über sein Leben und sein gesamtes Schaffen, Freiburg 1936. 
76 NEUE KÜNSTLICHE FIGUREN BIBLISCHER HISTORIEN / GRÜNT- 
LICH VON TOBIA STIMMER GERISSEN: UND ZU GOTSFÖRCHTIGER 
ERGETZUNG ANDACHTIGER HERTZEN / MIT ARTIGEN REIMEN 
BEGRIFFEN / DURCH J. F. G. M. (J. Fischart, gen. Mentz) ZU BASEL / 
BEI THOMA GWARIN ANNO M.D.LXXVI. Tafel 59 
Oktavausgabe 
Ritter, S. 57; Inv. Nr.: 2924 (B I 15) 
In grotesk-phantastischem Rollwerkrahmen sind die eigenartig theatralisch wirkenden 
Szenenfolgen, die Sandrart und Rubens zu Anregungen gedient haben, eingesetzt. 
Stimmer steht unter stärkstem Einfluß Calvins. Gott darf lediglich in Visionen 
abgebildet werden und dort genauso, wie ihn die Propheten schildern. Ansonsten 
aber ist die Gestalt Gottes durch das Tetragramm oder eine andere Umschreibungs 
form zu ersetzen. In den meisten Fällen wählt Stimmer hiefür ein Lichtoval. In der 
Szene der Erschaffung der Eva erscheint Gott als flammende Gesetzestafel hinter 
der aus Adam aufsteigenden Frauengestalt. Mit diesem manieristischen Bildtypus, 
der unter dem Bilderverbot Zwinglis und Calvins in starkem Zusammenhang mit 
niederländischen Buchillustrationen entstand, ist das Ende der reformatorischen 
Ikonographie gegeben. 
Literatur: 
Krücke, A.: Der Protestantismus und die bildliche Darstellung Gottes in- Z f 
Kunstwiss., 13, 1959, S. 78 ff. 
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