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Full text: Kunst und Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

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®ie beutfctje Sialecei. 
na^ett unb fidE) mit grau Scbmertlein unterhalten, feie 30iägtoe 
unb Surften im 2lnjuge ftnb ;c. SDiefe giguren erfcbeinen, 
wenn auch nicht immer ben gauft’fcben auf ben Seib getrieben, 
bod) überaus rnabr in bie 3eit hineingebacht unb inbinibuell 
ausgebilbet. Ueberbieji ift bas ganjeSBilb nortrefflicb, anfcheinenb 
befcheiben unb boch brillant colorirt, fo bah eg gemif, ju ben 
bernorragenbften Schöpfungen biefer 2lrt gehört. 
®aö Sefte unb ©baratteriftifihfte mag man all ben bisher 
aufgeführten Silbern nachfagen fann ift, bap man fhmerlich 
auch nur eine einjige gigur auf ihnen finbet, bie unroahr ober 
gefpreijt, gegiert empfunben märe. 
2Bir finb inbefj bamit ju früh in bie SRomantit tuneinge; 
rathen unb tommen nun mieber jur realen fpiftorie jurüct. gn ihr 
behaupten Sinbenfchmibtg Silber, befonberg ber Sob Oraniens 
be« Söhmeigfarnen einen fet>r heroorragenben Stag, i n laterem 
oorjuggmeife burch bie Srillanj beg ©oloritg. Stuf ber Sreppe, 
im Segriff augjugeben, hat ber gürft eben bie töbtliche Äuget 
empfangen unb mirb 5ufammengeftüi'ät oon feinem Stallmcifter 
aufgefangen. Sie Stoffe beg Sobes liegt fchon auf feinem ©e= 
ficht, über bas fi<h bie ihm nachgefolgte ©attin jammernb beugt, 
mährenb bie entfetten Äinber hinter ihr burcbeinanber fchreien 
unb anbere Sermanbte unb greunbe auf ben Sann oon oben 
berab tommen. §inten in ber fjausflur flet?t man bann mie 
ber beftialifch augfebenbe üJtörber bereit® ergriffen mirb, mag 
ein Siener ben eben um ben Seiten Serfammelten juruft. 
Sag ©anje macht einen überaug reichen unb unheimlich präd)= 
tigen ©inbrud, auch finb einzelne giguren non grober Schein 
beit,- inbefj ift boch bag coloriftifche Glement burchaug nor= 
herrfihenb, fchon meit non einer eigentlichen ©baratteriftit bei 
einer fo heftigen §anblung taum bie SRebe fein tann, mo jebe 
gigur ganj in bem aufgeht, mag fie gerabe thut. gnbejj offen; 
hart ber Äünftler fein Salent, ben ©haratter einer gegebenen 
•Seit aufjerorbentlich lebenbig unb mahr aufjufaffen, auch hier 
in ungemöhnlid)em Slajje. — 3loch mehr nielleicht in feinem 
$utten, ber bie fünf granjofen im SBirtbghaug ju Sologna in 
bie glucht fcblägt, unftreitig bem glüdlichften biefer biftorifeben 
©enrebilber. Sie ftnb offenbar beim gechen an ber Safel an 
einanber geratbeu, mo bie reicheren unb eleganteren gremblinge
	        
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