$ie beutfdje 3Jiateret.
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ißroteftationen gegen ein neues UnterricbtSgefetj ober bergleidjen
mit jener falbungSo ollen Qmpertinenj Dorjutragen, welche allen
alten SBeibern mit unb ohne Unterrod jo gewaltig ju imponiren
pflegt. 3ft biefe fleritale §eetf<haar mit ihrem oeijopften 5[5l)ilijter=
fchweif unjtreitig mehr ergöglich als erbaulich, jo tann man
ihr boch frappante ©ahrheit jo Wenig abfprecfjen, als eine
glanjenbe Sechnit.
2Hit terngefunbem §umor weijj enblitb ©rüjner baS oie(=
beliebte Sterna beS iPfaffenthumS auSsubeuten, jo in feinem
felig neben „bem ©chag, ber ihm am tiebften ift," bem 2Bein=
faffe, entschlafenen ißater Äellermeifter eines .ffapuäinertlofterS,
oor meinem ber oon einem mageren unb gallig fanatifcben ijfater
3>gnatiuS lierbeigemfene toicfe ©uarbian mit einem unbefchreib=
liehen SluSbrud offijieU frommen SebauernS über bie ©d)Wäd)e
beS gletfcheS in ber menfchlichen dtatur ftebt, eine Schwache,
bie er offenbar feljr genau tennt. Sringt ©rüjner aber noch
mehrere, immer mit gleich grünblich ju treffenbet GljaraEteriftif
unb oollenbeter SDteifterfc^aft gemalte Silber biefer 2lrt, fo
müffen wir uns leiber oon feinen immer burftigen Äopitjinern
trennen, um uns einer anbern Variante beS ShentaS in §offS
brillant gemaltem 9tococo;if5alaftgemads jujuwenben, wo eine
oornehme Same, mit ©puren oergangener ©djönheit unb alter
©ünben auf bem ©efichte, bie ibjre heutigen betfchweftrigen
Dieigungcn genügenb ertlaren, eben Dom jefuitifdjen Seid)toater
in SeftamentSangelegenheiten bearbeitet wirb. 3Benn man wollte,
fo tonnte man ©mit SlbamS luftige rotbbefradte 3>agbgefellfchaft
oon Saoalieren, Samen unb trefflich gemalten Sfetben faft als
baS Sorfpiet biefeS SilbeS gelten taffen, wie benn bie gemachten
3agbfeenen ja gar oft beim Seichtoater enben, bie ©rinnerung
an gejehoffene Sode feit je oon ber Äirche auSgebeutet würbe.
2tud) im ©rünen, wie bie legieren, jeigt fich uns UltartinS
hübfcheS „SBatbfrdutein", bie eS fegr im Ungewiffen lagt, wo
fie früher S££>ee getrunten. Qn ber boch fo bantbaren Sar=
ftellung fold£?er ©injelfiguren leiftet bie beutfdje Äunft im Sanken
noch oiel ju wenig unb wirb fn^ oon ber fran^öfifchen aller=
bingS weit überboten, ©elbft im Portrait bringen bie granjofen
unb Selgier im ©anjen mehr gebiegene, fein burdjgebitbete
Seiftungen, wenn auch nicht talentoollere, wie benn unter ben