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Full text: Kunst und Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

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$ie iUoIcrei bcr iHemfitaaten. 
liebe unb charafterBolle, mutige unb thätige be« Solfsftamms 
«jieberfpiegelt, fo erwartet man mehr geiftigen (Siebalt in biefer 
claffifcbcn -ÖiUlc. So, wie fie hier crfcheint, wirb bie bolläm 
bifrfie funft ganj Bon bem ©enremaler 3«rae(ä beberrfcht, einem 
Bortrefflicben ßoloriften ober Bielmebr ßellbunfelmaler, wa« 
feinesweg« baffelbe ift, int SKembranbt’fcben Stple, bcr ficb 
aber mit einem Minimum Bon feelifdbem Inhalt begnügt. Man 
braucht, um ficb bief? recht Har ju machen, nur fein »egräbnif 
mit bem be« fnau« ober Sautier 31t Begleichen, wo ba« feine 
in einer Minute gefeben ift, wäbrenb man Bor jenen ftunbem 
lang Üben »nute. Safür fieht e« in biefem erften lugenblid 
weit oieloerfprecbenbet au«, obfcbou e« auf,er einer guten co!o= 
riftifeben Stimmung gar nicht« (eiftet. — Mir finb biefmal in 
einer ärmlichen Stube, in Welcher ber Sarg mit bem @mäbrer 
eben binaiwgetragen Wirb, wäbrenb bie jffrau mit jWei (leinen 
finbern troftlo« allein bleibt. Somit finb wir aber auch total 
fertig, benn Weber über ihren ebarafter, ba fie ben fopf in 
beii .fjänben nerbirgt, noch über ben ber roh gegeichneten 
.Hinber, noch ber im .yetlbunfet ganj Bcrfcbwimmenben Präger, 
erhalten wir bie geringfte 3lu«tunft, nehmen alfo auch (einen 
näheren älntbeil an ihnen, wäbrenb fie unter fnau« ober 
Sautiers Jpänbcu un« ihre ganje SebemSgefdiichtc erjäblt, ba« 
innigfte x cutercffe eingeflöfu batten. — Sei einer fyrou, bie 
einem finb 311 offen gibt, ift ber .stopf menigften« febr gut 
gemalt, obgleich man auch hier in Seriegenbeit wäre, 311 fagen, 
Wa« fie benn eigentlich für eine ißerfon fei. 
3a aber bie (Sbaratteriftif bod) bie Seele jeber fünft ift, 
ju* allein Sbafefpeare 311m größten Sichter aller Seiten macht! 
fo wirb man bei ber unbeftreitbaren Ueberlegenbeit ber neueren 
beutfeben fünft in biefem Stüct boch wohl einige« Secht haben, 
ihr biefelbe überhaupt 3U Binbiciren. 
(5'twa« weiter nad; biefer foeite gebt Srigt in einem bie 
;Heligion«gefpräche ber (Reformatoren in Marburg barftetlenben 
fleincn Silbe, welche« in feinem reijenben .‘petlbunfel birett an 
(jthout erinnert unb faunt hinter ihm jurücfbleibt. — Melandi= 
tbon, ber eben fprieft, unb Sutljer finb im ©anjen nicht fo 
febarf unb erfdibpfenb wie bei Spangenberg ober Sinbenfdimibt, 
aber hoch fennbar unb lebenbig genug gegeben. 2luch eine
	        
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