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Full text: Kunst und Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

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$ie franjSfifrfic SOJolcrci. 
©ebdcptnip rufen, bap bie SOlaler ber zweiten fjälfte beg fed>= 
jebnteu big faft jum Schlup beg achtzehnten Sahrfmnbertg auch 
faft alle unenblid) gefcbicfter fmb, alg bie fämmtlicben s f$rdra= 
phaeliten, unb biefen bod) an ahfolutem SEÖerth fepr nadjftepen, 
lediglich »eil fie weniger naio unb leufch fmb, weniger rein 
unb ebel empfinden. ©enau baffelbe ift aber jept ber Sorzug 
ber beutfcben oor ber franjöftfdjen fiunft. 
3a, man ISnnte bag Sehen wie bie 3Jlen|dj^eit oft faft 
noch mehr Iwffen, wenn man die ^ rt Bmt ^ u S enb ober ©<hön* 
beit, bie Qbeale fiel)t, bie ung bie franjöfifchen ÜJlaler »or< 
jaubern, alg Wenn man ihre ©dplberungen beg Safterg ober 
ber Sertommenheit betrachtet, bie bod) nicht fo »erlogen fmb. 
®ag, wag bie granjofen trop aller gropen ©efcpidlichleit 
beftänbig oerpinbert, ju einer wirllicb tlaffifchen Äunft ju fommeu, 
lann man überhaupt furzweg alg IDlangel an ^Reinheit ber 
(fmpfinbung bezeichnen, wie er hefonberg ihre biepmal auf- 
fallenb zahlreichen religiöfen Silber, ja faft alle ihre ibealen 
©arfteEungen meift unaugftehlich fofett unb gefpreijt ober auch 
troftlog nüchtern erfcf)einen läpt. 
Grifft man alfo benn im ©anjen unenbliih wenige bag ©e^ 
müth wohlthütig berührende, ung bie fchönen ©eiten ber menfdb- 
lichen 3latur mit ©lüct zeigende Silber, fo werbe ich fie, ba 
ich nur ju Diele ber entgegengejepten ©attung Weifen muh, 
fuherlid) mit befonberer älufmerlfamleit hehanbeln. 
©o ift bie Oom ©öcpterchen geherjte römifche fDJutter Son- 
natg, durch bie ©chönpeit ber beiben, bie Sßkhrpeit unb Siebeng-- 
würbigfeit ihreg 2lugbrudg nicht miuber alg durch bie auper 
orbentliche iptaftif, bie ebenfo glänzende alg energifcpc gdrbung beg 
©anjen ein pöchft wertpooEeg 93ilb, ja bag befte beg erften ©aaleg. 
5ßiemanb wirb biefem Söerf einen bleibenben SSÖerth abfprecpen 
WoEen, obwohl man an ber ßompofition augfepen mup, bap 
ber Untertörper beg $inbeg nicht recht mit ftopf unb Schultern 
Zufammenpängt, fo bap bie ©eftalten ftcp oerwirren. Glicht 
minber reijenb, ein wahrer $uwel oon anmutpig frifdper ©mppn= 
bung, ift ein Silbcpen oon ipm, wo ein italienifcher Qunge 
fein Keines ©chweftercpen, bie Weinen wiE, tröftet. 
©och ich greife hier ber natürlichen ßntwidlung oor, inbem 
ich ben ©cfmler oor bem DUeifter bringe, ba Sonnat ohne
	        
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