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Full text: Kunst und Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

$ie fräHäSftfdj'e ffltderei. 
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$weifel ftarfe Ginwirtungen oon Selacroip empfangen, bem 
originellften unb bebeutenbften 2fteifter ber neueren fran^öfifcben 
SJtalerei. 3>ch nenne ihn ben bebeutenbfteu befonberg barum, 
»eit er nicht nur burchaug eigentümlich, fonbem überbiefj 
anertanntermafsen ber erfte Gotorift ber ©chule ift, biefe aber 
gerabe hierin eine §auptftärte fiat, »iihrenb bie franjöfifdjen 
Gomponiften wie] Ingres unb fetbft glanbrin u. a. m. trots 
alleg SSerbienfteg boch feiten ober nie bie ,Stätte unb ein gewiffeg 
gemadjteg SBefen oerlieren. Sie Stusftettung enthält eine ganje 
Steife »enn auch nicht gerabe bebeutenber Silber üon Selacroip, 
bie aber boch genügen, fein Salent in immerhin noch aug= 
reidjenbeg Sicht ju ftetlen. — ©o ein Ghriftug am ^reuj »oll 
bunte! unb geheimnijiooll ergreifenber ftacfernber Spracht beg 
Goloritg, ein anberer int ©chifflein ben ©eilen jum Srof 
fchlafenb »on gefpenftifcb mpfteriöfer, bie Uebermacht ber Gte- 
mente über bie 2Jtenfd)en energifd) oerfinnlidhenben SEÖirtung. 
Sann ein Glternpaar »on Dlothhäuten in ber Qärtlichteit um 
itjr lleineS eben geboreneg fiinb mit ben cioilifirten in fet>r 
unglaublicher 2lrt »etteifernb; ein Slpoll, ber im Seifein beg 
ganjen Dlpmp bie lemäifche Schlange erlegt, ©tijje ju einem im 
Souöre auggeführten SfJIafonb. 
Söag an Setacroiy angieht, ift nidtjt bie gatbe allein, obgleich 
biefe htm - eichen »ürbe; inbef? gibt eg SJlatart’fche ©Siggen genug, 
bie ihn hierin nicht nur »olltommen erreichen, fonbern übertreffen, 
nein, e§ ift noch mehr bie reiche ißhantafie, bie »eite Sitbung, bie 
burdjaug eigenthümlidje 3lrt, SGBelt unb SJtenfchen ansufehen. 
Subjetti» big jur Sijarrerie hat er hoch eine natürlich padenbe 
©ewalt, unb oft auch eine SBahrheit beg älugbrudg, bie non 
bem lofetten SBefen fo »ieler feiner Banbgleute mertmürbig 
abfticht 3ft er fo fehr fötaler, baff ihm alle® jum Silb unb 
eben befihalb auch jebe feiner ©Siggen werthooll Wirb, »eit fie 
bie fDtöglichfeit beg ootlenbeten Silbeg in jtch trügt, fo ift er 
jugleich ein fo geiftreicher füJtenfdh, bafj er ung nicht nur »ie 
ein ©änger et»a burch bie SUtelobie beffen, wag er fingt, inter; 
effirt, fonbem auch burch bag, wag er fagt, taum weniger 
feffelt. Unb babei gibt eg taum einen SSegirt menfchlichen 
Sebeng, bem er nicht einmal eine neue, »enn auch oft barocfe 
Seite abgewonnen. Senn bag Savocte, Starre unb 3Bunbcr=
	        
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