MAK

Full text: Kunst und Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

Sic öftrcicf)tfd)c fiunft. 
63 
Jungen einer echten Seelenevfchütterung auf »ornehme, touret 
ifjrc ©aben ober if)ve gefeUfctjaftlxc^e Stellung beroorragenbe 
H$erfönlid)feiten überhaupt ift. Man fielet fo lebhaft, wie ihnen 
ber blaffe $ater ing ©ewiffen rebet, wie ernfttjaft bie ©inen 
werben, wie tief ing §erj getroffen, ja jerfnirfebt Enbere, 
wie gerührt unb begeiftert bie ©belften, bafj mang babei un= 
willfürlicb and) wirb. 3ta<h bem btofcen Enfehen, ohne bie 
lahme Irücfe ber §ülfe beg fatalogg fieht man wie ber arme, 
befdieibene, aber auch glühenb begeifterte ißriefter ben großen 
polnifchen Herren offenbar ihre beftänbigen Sntriguen, ihre 
ewige Uneinigleit, ihre §abfucf)t unb Uprannei, ben üßrälaten 
ihren ^odfmuth unb ihre ^errfchfucht mit flammenben 3öor; 
ten, mit nieberfchmetternber Hkrebtfamfeit oorwirft, tur§ er 
rebet ihnen nicht nur ing ©ewiffen, fonbern er rührt fie auch 
Wirtlich. 3d) Wüjjte nicht, baf, id) je eine ißrebigt ober Siebe 
gemalt gefehen hätte, wo bie gewaltigen Höhlungen ber SSerebh 
famfeit mit foteber Siiefe unb ©netgie gefdjilbert gewefen wären. 
3)ag ®ilb jeigt wiederum biefelben oioletten falten Siebter, 
biefelbe fühlte plaftifche Qeichnung wie bag Sßarifer, wie eg 
zeitlich biefem amnüd)ften, an fünftterifchem HBerth aber, wenn 
auch nicht gerabe an materifd)em SReij, überhaupt wohl am 
höchften fteht. 
•flicht minber entfebieben aber lehrt Matejfo’g Jjbealigmus in 
einem ffirauenportrait wieber, einer oornehmen ®ame im febwarjen 
Sammttleib mit reicher, rothblonber Socfenfülte. Ueber bie Slüthe 
beg Sebeng fchon hinaug feffelt ber bleiche, ruhige, feingefebnittene, 
aber hoch energifebe, unter ber falten IRuhe tiefe Seibenfchaften, bie 
©rinnerung an fernere ©rlebniffe bergenbe fchwermüthige Äopf 
unglaublich. ©3 ift hier fene ganje eble, ftrenge Sßlaftif ber 
gorm wieber ju finben, bie ber Maler fe^t über ber ©nergie 
ber coloriftifchen ©egenfäfje oergeffen ju hnben fcheint, unb bie 
er hier tmrmonifd) bamit ju »ereinigen »erftunb. freilich 
ift bag SBitb eine frühere Erbeit beffelben. — ®er neueren Eid^ 
tung gehören brei Äinber, in benen bie ©haraftere fchon mit 
merfwürbiger Reinheit auggefprochen finb, ganj ber ©egen= 
wart beg Hünftlerg bagegen ein Heiner häßlicher Männertopf mit 
ächt ftaoifchem Sppug, aber Doller ©eift unb Seben, wenn auch 
weit entfernt oon ber Stobleffe ber Same.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.