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Full text: Kunst und Kunstindustrie auf der Wiener Weltausstellung 1873

Sic öftrrid)ifcf)c Jtunft. 
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guleßt aufg Gßriftentßum felber übertragen mußten, tote fie eg 
benn nur gu feßr getßan ßaben. 
ßg möchte ferner fein, irgenbmo in ber SBelt fdlagenbere 
Selege alg in ber Slugftellung bafi'tr gu finben, wie feßr bag 
Gßriftentßum ficb im Sewußtfein ber gebilbeten .Staffen, gang 
fpegiell aber in Seutfdlanb unb Oeftreid, Pielleitßt nod meßr 
alg in ben Scinbern romanifder 3 un 9 e auggelebt ßat. — Unb 
toiefe ßrfdeinung fteigert fid mit unerbittlider ßonfequeng »on 
3aßr gu 3aßr, »on einer SBeltaugftellung gut anbern. — fließt 
nur baß unter biefen taufenben con Silbern bie 3 a W ber reli= 
giöfen überhaupt fo gang außerorbentlid Hein ift, fo nimmt 
aud) bie Sebenefraft in benfelben nod entfcbiebener ab. fUlan 
fießt faft immer nod weit meßr alg bei bem ßanon’fcßen bie 
totale ©leidgültigleit unb Abneigung, mit ber bie tünftler biefem 
©tofffreig gegenüberfteßen. Sie religiöfe Sunft ift §anbwerf, 
ißre Sppen finb ©dablonen geworben. Slußer ein paar Keinen, 
feßr alten Silbden beg adtgigfaßrigen güßrid, unb feinen noeß 
altern ßerrlicßen ßartong ift in fdmmtlicßen beutfeßen ©älen 
faft nießtg Don cßriftlicßer Äunft, bag eigentlid)e Sebenglraft geigte, 
wag bem innern Srange eineg gläubigen ©emütßg unb niißt 
bem SRaifonnement, ben 3wedmäßig!eitg= unb Serftanbeggrünben 
ober gar ßanbwerlgmäßiget frommer fjeudelei feinen Urfprung Der= 
banlte. 3Jlan fann bag bellagengwertß finben, wie itß eg tßue, ober 
fieß barüber freuen, anbern wirb man an ber Stßatfacße gewiß nießtg. 
Sagegen weide fyülle oon Silbern, in benen bie ßntartung 
unb .öerrfeßfueßt, bie unerfättlicße ©ier ober ber ßigennuß, bie 
§eucßelei, bie ©emütßgßärte unb fre<ße Unbulbfamfeit, bie 
Süfternßeit unb ©eßlemmerei ber ©eiftlicßfeit aller ßonfeffionen, 
bie fatßolifde natürlid oorauf, mit aller ©dürfe beg glüßenbften 
§affeg, mit bem fdonungglofeften oernidtenbften Spotte, wie 
mit brolligen §umor, aber faft immer mit Salent gefdilbert 
Werben! ©ie gaßten gerabegu nad §unberten, ber Pfaffe 
fömmt überßaupt faft nie gut weg unb id wüßte abfolut gar 
leinen ©tanb unb lein §anbwerl, bag oon ber Sunft fo un= 
aufßörlide unb oernidtenbe Angriffe erfüßre. Unb bag in 
IDlünden unb SEßien weitaug am meiften! 2Ber fid baraug 
leine Seßren gießen fann, ben braudt man fürwaßr nid)t um 
feinen ©darffinn gu beneiben.
	        
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