Der Architekt.
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Andererseits aber muss wieder festge
stellt werden, dass die Fülle des aufzu
nehmenden Wissens, die Erfahrung, das
successive Werden und Ausreifen jugendlich
frischer Ideen bis zu ihrer Verkörperung
den Zeitpunkt der vollen Reife des Archi
tekten, weit über jene Jahre hinausschiebt,
in welchen bei anderen Künstlern schon
der Höhepunkt des Könnens erreicht wird.
Sicherlich ist es nicht zu weit gegan
gen, wenn man deshalb die erfolgreiche
Thätigkeit des Architekten über das vier
zigste Lebensjahr verlegt.
Zu diesen Schwierigkeiten, welche
der Beruf selbst mit sich führt, gesellen
sich noch eine Reihe von Momenten,
welche weiter dazu beitragen, seinen Lebens
lauf noch weniger rosig zu gestalten.
Eines der schwerwiegendsten und schädlich
sten ist das häufige Vorkommen von
Kunstzwittern und Praxisvampyren. Der
Architekt hat daher Alles aufzubieten, damit
er jene Position zurückerobere und be
haupte, welche ihm, seinem Können und
Wissen nach, absolut gebührt.
s ist hier am Platze, vom Schutze
i—^ der Baukunst durch den Staat zu
sprechen.
Gewiss geniesst letzterer die grössten
Vortheile durch die Pflege der Kunst. In
Italien sehen wir heute ein Land, dessen
wichtigsten Lebensnerv sicher die Kunst
leistungen vergangener Generationen bil
den, und auch Frankreich verdankt seinen
Wohlstand zum nicht geringsten Theile
der Kunst.
JSTÈK*. Museur
f. ANGEWANUE KUNSl
tatO WIEN