Der Architekt.
19
Vertreter den künftigen Beruf der Kinder
feststellen, ohne auf den individuellen
Charakter derselben eingegangen zu sein.
Doch in keinem Falle dürfte dies so verfehlt
sein, wie bei der Berufswahl zum
Architekten.
Die Momente, welche diesbezüglich
für die Jugendführer massgebend sind,
gipfeln alle in der kurzsichtigen Anschauung,
dass dieser oder jener Beruf der
lucrativste sei. Dass die Fähigkeiten des
Jüngers in Erwägung gezogen werden, ist
schon deshalb ausgeschlossen, weil die
erforderlichen Qualitäten, Phantasie, Geschmack
und scharfes Denken, sich spät,
also dann zeigen, wenn die Berufswahl
längst zur Thatsache geworden, die Schicksalswürfel
also gefallen sind. Die sich ziemlich
früh zeigende Fertigkeit im Zeichnen
allein berechtigt sicher nicht, den Jünger
zum künftigen Baukünstler zu stempeln.
Um aber hier das Richtige zu treffen,
gibt es keinen anderen Weg, als den
technisch reifen 22—26 Jahre alten Candidaten
der k. k. Akademie der bildenden
Künste zu überweisen, deren Lehrer das
Recht haben, darüber zu entscheiden, ob
derselbe mit Erfolg die künstlerische Laufbahn
betreten kann oder nicht.
Für die Lehrer ist dies ein Leichtes,
denn es liegen ihnen nicht nur Zeugnisse,
Zeichnungen und Skizzenbücher zur Beurtheilung
vor, sondern sie sind auch nach
eventueller Absolvirung eines Probejahres
akademischer Studien, wenn sich in dieser
Zeit die vorausgesetzte Eignung nicht zeigt,