94
Die Kunstpraxis.
Sicher entspricht das Einfache am
besten unseren heutigen Anschauungen,
welche im Stadtbilde wenigstens künstlerisch
Praktisches beanspruchen können. Der reine
Utilitätsstandpunkt und die überladene Geschmacklosigkeit
müssen daher unter allen
Umständen verschwinden. Selbst das Einfachste
kann ohne Kostenerhöhung künstlerisch
durchgebildet werden.
Mehr als je tritt in solchen Fällen die
ernste Mahnung an den Künstler heran,
durch präcise und gewissenhafte Erfüllung
des Verlangten, durch die einfachste, zweckmassigste
Formgebung sein künstlerisches
Können zu documentiren. Es darf nie vergessen
werden, dass die Kunst eines
Landes nicht allein der Werthmesser
seines Wohlstandes, sondern vor allem
auch seiner Intelligenz ist.
Ein allgemeines, unbeugsames Festhalten
solcher Grundsätze durch die Künstler
würde jeder Stadt in kurzer Zeit ein
anderes Aussehen verleihen und jenen
widerlichen, lebkuchenartigen ornamentalen
Wust unserer Vorortebauten verschwinden
lassen.
B ei jeder sich darbietenden Gelegenheit
wurde der Einwirkung moderner
menschlicher Bestrebungen
auf die künftige Gestaltung von Werken
der Baukunst gedacht.
Während aber in der Aussenerscheinung
unserer Baureste vielfach noch Unsicherheit,
ein Tasten und Suchen nach dem Richtigen
vorherrscht, zeigt sich in der Innenarchitektur,
in der Ausgestaltung der Gegen-