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Volltext: Blühender Jugendstil - Österreich, 1: Farben, Formen, Dekore

DEKORE 
Als Mädchengesicht, von Blüten umrahmt, begegnet uns die Allegorie der Rose: in der 
Linien- und Flächenkunst (Abb. 167, 168), in der Rundplastik als keramische Büste 
(Abb. 169). Als Motiv der Buchkunst (Abb. 169), als Farbschablone (Abb. 170), in Glas 
schnitt und -malerei, als keramisches Relief (Abb. 173), als Stickerei (Abb. 180) und in 
vielen anderen Materialien ist die Rose gestaltet; Rosenblüte und dornige Stiele, als 
Einzelmotiv oder Flächenmuster, werden zum strengen Lineament stilisiert (Abb. 172, 
174, 175), kontrastieren im Schwarz-Weiß (Abb. 169), füllen Randleisten (Abb. 176), 
Vorsatzpapiere (Abb. 177) und Kelche von Gläsern (Abb. 178) in symmetrischen Kom 
positionen, überwuchern in naturalistischer Malerei die Wandungen von Gläsern 
(Abb. 182, 183) und dominieren als keramisches Relief das Gefäß (Abb. 173). 
LINIEN- UND FLÄCHENKUNST 
In unübersehbarer Fülle blühen die Jugendstil-Blumen im österreichischen Kunsthand 
werk. Unerschöpflich scheint die Vielfalt von Fuchsien, Nelken, Lilien: zartes Ge 
schmeide (Abb. 184) oder schwebendes Blatt- und Blütenwerk (Abb. 185). 
Die freie Bewegung graziler Stengel mit großflächig-schwarzen Nelkenblüten wird vom 
linearen Geviert umrahmt (Abb. 186); Stengel-Schwung und Blütenfülle sprengen fast 
das Querformat (Abb. 187). 
Wellenförmig aufwachsende, großblütige Blumen sind in die hohen Felder der Vasen 
wandungen eingebunden (Abb. 190) oder dienen als Buchschmuck (Abb. 191, 192); 
hochgeschwungene Stengel und Blätter dominieren über kleine, vierteilige Blüten auf 
der Cuppa eines Stengelglases (Abb. 193). 
Der Hell-Dunkel-Kontrast in ausgewogenen Linien- und Flächenkompositionen be 
herrscht die Titelseiten von Büchern (Abb. 197) ebenso wie die Oberflächen von Glas 
objekten (Abb. 199), die Stilisierung von Stengeln, Blüten und Früchten wird durch das 
Schwarz-Weiß oder durch kontrastierende Zweifarbigkeit noch betont (Abb. 200, 201), 
während manche Dekore auf Glas und Keramik diesen Grad der Abstraktion nicht an 
streben (Abb. 202, 203). 
Vom Naturselbstdruck (Abb. 205) zur Stilisierung des Floralen in der Typographie 
(Abb. 204, 227), vom Linienschwung zum geraden Aufwachsen (Abb. 206-208) bis zur 
Vereinzelung des Blumenmotivs (Abb. 210-214) und seiner additiven Anordnung 
(Abb. 215-216, 220), vom Relief hochrechteckiger Füllungen (Abb. 218, 219) zum dia 
gonalen Schwung gravierter (Abb. 221, 224) oder gestickter Zweig-Blütenmotive 
(Abb. 222, 223, 225, 226) spannt sich der weite Bogen floraler Dekoration bis zu Vig 
netten, Initialen (Abb. 230, 231) und Umrahmungen mit Blättern (Abb. 232), Blüten, 
Beeren und Dolden (Abb. 233, 234), die im Glasschnitt auf der Wandung zu schweben 
scheinen (Abb. 235). 
Linear gerahmte Felder mit Blütenfriesen und -füllungen erhalten - wenn auch von 
Wandkompositionen ausgehend - ihren graphischen Eigenwert (Abb. 236, 237, 239), 
und die zarte Durchbruchsarbeit der Häkelspitze (Abb. 240) ist der Struktur der Mo 
natsnamen-Umrahmungen mit Früchten und Zapfen verblüffend ähnlich (Abb. 241, 
242). 
Blatt- und Blütenmotive auf asymmetrisch geschwungenen, langen Stengeln füllen das 
Kreisrund von Dosendeckeln (Abb. 243), Tellern (Abb. 244) oder Sitzen (Abb. 245). 
Im symmetrischen Dreiklang der Einzelmotive sind Blätter und Blüten angeordnet: auf 
Gläsern (Abb. 248-250), Branddessins von Sitzen (Abb. 251), Kuchenschaufeln 
(Abb. 253). 
Detailreich gestaltete Einzelformen (Abb. 254-256) können zum radial angeordneten 
Ornament eines Tellers verdichtet (Abb. 257) oder im Muster von Relief-Furniersitzen 
oder Branddessins (Abb. 258, 259) spiegelbildlich oder muschelförmig komponiert 
werden (Abb. 260, 261). 
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