AMPHORA / TURN-TEPLITZ
Vorgängerfirma: eine Fabrik A. Stellmachers in Turn-Teplitz:
Der Keramikfachmann Alfred Stellmacher (geb. Steinheid, Thüringerwald 1837, gest. Turn 1906)
errichtete eine kleine Fabrik in Smichow bei Prag, erhielt ein Privilegium zur Herstellung von Por
zellanblumen und ließ sich schließlich 1876 in Turn bei Teplitz nieder, baute sein Unternehmen als
Blumenfabrik und keramische Kunstanstalt aus und führte das nach ihm benannte Stellmacher-
sche Elfenbeinporzellan ein . Vermutlich hat Alfred Stellmacher in Turn mehrere Fabrikanlagen
besessen. Zeitgenössische Quellen verzeichnen die Übernahme der Stellmacherschen Fabrik in
Turn 1892 durch die bisherigen Mitarbeiter und Leiter Hans und Carl Riessner, Rudolf Kessel und
Eduard Stellmacher; als Käufer einer Stellmacherschen Fabrik tritt zwei Jahre später der Wiener
Unternehmer Emst Wahliss auf. . .
(Neuwirth, Turn-Teplitz 1973, S. 713)
1892
Gründung der Firma „Riessner, Stellmacher & Kessel Amphora“. - Eduard Stellmacher
(Sohn von Alfred Stellmacher) sowie die Schwiegersöhne Alfred Stellmachers, Flans
Riessner (akademischer Maler), Carl Riessner und Rudolf Kessel, übernahmen die Por
zellanfabrik A. Stellmacher in Turn-Teplitz, in der sie bereits tätig gewesen waren.
(Adreßbuch Keramik 1907, S. 307/308. - Neuwirth, Turn-Teplitz 1973, S. 713)
1893
Teilnahme an der Weltausstellung Chicago (Highest Award)
(Adreßbuch Keramik 1907, S. 307/308)
Bericht über die Teilnahme der Firma an der Weltausstellung Chicago im Centralblatt:
Eine hochinteressante Ausstellung von Porzellan- Erzeugnissen, welche für die Weltausstellung
von Chicago bestimmt sind, hat die Firma Riessner, Stellmacher & Kessel in Turn in ihrem Fa
briksgebäude veranstaltet und der allgemeinen Besichtigung zugänglich gemacht. Diese Collec
tion besteht aus einer reichen Auswahl von Vasen und Krügen, welche nicht blos in ihrer Modelli-
rung eine den amerikanischen Ansprüchen Rechnung tragende Form aufweisen, sondern auch in
Bezug auf figurale Ausstattung und Staffage ganz Auserlesenes bieten. Ganz besonders bemer-
kenswerth und für den Fachmann interessant wegen der mit technischen Schwierigkeiten ver
bundenen Herstellung sind einzelne Farbenproductionen im Scharffeuer, so z. B. Kobaltblau in
tief satter Nuancirung, Staffage, Mattfond, weiters seladongrüner Scharffeuerfond mit naturge
treu aufgeführten Mohnblumen und rothseidener Gold-Staffage; malachitgrüner Scharffeuerfond
mit Scharffeuereinlage und reicher Goldstaffage, rosa Scharffeuerblüthen, wie denn überhaupt
Scharffeuerfond in allen Farben - besonders erwähnenswerth ist der technisch ebenfalls schwie
rig herzustellende hell purpur- und rosafarbene - zur Verwendung kam. Der figurale Schmuck ist
äusserst zart ausgeführt und stellt z. B. Nixen dar, welche den Meereswellen entstiegen sind und
sich um das Object hinaufranken. An einzelnen Objecten ist eine glücklich ersonnene Allegorie
der Ausstellung in der Staffage angebracht und bewundernswerth ausgeführt. Der Anblick der
ausgestellten Objecte ist wirklich blendend und gereicht nicht nur der jungen, erst wenige Mo
nate bestehenden Firma, sondern der einschlägigen Industrie überhaupt zur besonderen Ehre.
(Centralblatt 1893, S. 43)
Bericht von Dr. Karl Vogel, Pilsen, über die Teilnahme der Firma an der Weltausstellung
Chicago:
Riessner, Stellmacher & Kessel in Turn-Teplitz: Eine schöne Collection Fantasievasen und Krüge
aus feinem Elfenbeinporzellan in edlen Modellen mit vorzüglich feiner Malerei, insbesondere Tür
kis und Rosa du Barry. Die Decorationsweise in verschiedenen Scharffeuerfonds mit eingelegten
Blüthen entspricht ganz und gar dem amerikanischen Geschmacke und fand auch eine gute Auf
nahme in der Ausstellung und auf dem amerikanischen Markte . . .
(Chicago 1893, Bericht Vogel, S. 47)
1894
Teilnahme an der Ausstellung San Francisco (Goldmedaille) und an der Weltausstel
lung Antwerpen (Diplome d’honneur)
(Adreßbuch Keramik 1907, S. 307/308)
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