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Full text: Blühender Jugendstil Österreich, 2: Firmen und Marken

JUGENDSTILKERAMIK IM TECHNISCHEN MUSEUM WIEN 
Vasen, Krüge, Schalen, Wandteller und Fliesen zählen zu jenen Jugendstilkeramiken, 
die als Geschenke oder Leihgaben schon bald nach seiner Gründung in das Techni 
sche Museum für Industrie und Gewerbe gelangten. 
Bestimmend für den Erwerb war wohl der Aspekt der keramischen Technologie; dar 
über hinaus ist die Umsetzung des pflanzlichen Motivs in die keramische Dekoration 
durch subtile Verwendung verschiedenster malerischer Techniken und Glasuren von 
hohem ästhetischem Reiz. 
Vom sanften Relief der hellen Päte-sur-Päte-Malerei zum bunten Dekor auf farbigem 
Grund, vom stilisierten Blütenmotiv zum Blumenstrauß des Fliesenbildes spannt sich 
der Bogen floraler Dekoration; einbezogen werden auch die mehrteiligen Fliesenkom 
positionen von Landschaften oder Stilleben (mit Weinglas und Hummer) sowie die pa 
stös wirkenden Bilder im Spiegel großformatiger Wandteller. 
Im Netzwerk vielfältiger Wechselwirkungen ist die Provenienz dieser Keramiken (Böh 
men, Mähren und Wien) angesiedelt. Das Ausbildungssystem mit Kunstgewerbe- und 
Fachschulen, der Austausch von Lehrmitteln von einer Institution zur anderen, die 
Rolle des K. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie, der „Lehrmittelbu 
reaus“ sowie die engen Kontakte der Schulen zur regionalen und überregionalen Indu 
strie und viele andere Faktoren sind in die anstehenden Untersuchungen einzubezie 
hen. 
Sie betreffen vier Serien bzw. Gruppen von Keramiken: 
1. Keramiken der Fachschule Teplitz (Inv. Nr. 4325) 
2. Fliesen der Wienerberger Ziegelfabriks- und Baugesellschaft, Wien (Inv. Nr. 3877) 
3. Keramiken, die über das „k. k. Lehrmittelbureau für gewerbliche Unterrichtsanstal 
ten“ in das Technische Museum gelangten und offensichtlich ebenfalls aus dem Be 
reich einer keramischen Fachschule oder eines keramischen Unternehmens mit 
hochstehender Technologie stammen (Inv. Nr. 3559) 
4. Keramiken der Firma Wranitzky in Frainersdorf (Mähren) 
Aus den damals üblichen sogenannten „Anmeldescheinen“ gehen nähere Erwerbsum 
stände hervor; beigeschlossene Listen geben in einigen Fällen Auskunft über Anzahl 
und Beschaffenheit der Keramiken. Je exakter die darin enthaltenen technischen Be 
schreibungen sind, desto leichter fällt die Identifizierung bestimmter Keramiken; ein 
deutig ist die Zuordnung dann, wenn auf den Keramiken noch zeitgenössische Etiket 
ten mit technologischen Angaben erhalten sind. 
Die seinerzeit erworbenen Jugendstilkeramiken sind heute nicht mehr in vollem Um 
fang vorhanden. Im folgenden wird vor allem auf jene Bestände eingegangen, die in 
ihrer Motivik das Florale und Landschaftliche betonen. 
DIE KERAMIKEN DER FACHSCHULE TEPLITZ-SCHÖNAU 
Aus der k. k. Fachschule für Keramik und verwandte Kunstgewerbe in Teplitz-Schönau 
gelangten am 1. Juli 1918 zwanzig Schülerarbeiten aus der Zeit von 1885 bis 1917 in 
das Technische Museum für Industrie und Gewerbe (Inv. Nr. 4325/1-20; heute Techni 
sches Museum Wien). Sie umfaßten - laut Anmeldeschein - „Tonwaren, Steingut, 
Steinzeug, Porzellan, Gefäße, figurale Plastiken, Kacheln und Fliesen) Keramiken“. 
Eine ausführlichere, dem „Anmeldeschein“ beigegebene Liste ermöglicht - gemein 
sam mit der Kennzeichnung der Keramiken - die Identifizierung von erhaltenen Objek 
ten und gibt darüber hinaus Aufschluß über weitere technische Besonderheiten sowie 
den daraus ableitbaren breitgefächerten Lehrplan der Fachschule. 
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