Anzahl von höchstens 50 Arbeitern, das war der Beginn des Unternehmens, welches die Macht
der mechanischen Fabrication gegen die Handarbeit in’s Treffen führen sollte. Zu jener Zeit war
die Zunft der Pakfongarbeiter (Löffelschmiede) in der Rossau in Wien concentrirt, und noch
heute finden wir einzelne Gewerbsleute daselbst, die in vererbter Tradition das Handwerk cuttivi-
ren und im Handverkaufe glatte, geschmiedete Waare absetzen. - Nach Ueberwindung der An
fangsschwierigkeiten nahm die Berndorfer Metallwaarenfabrik raschere Anläufe, und schon zu
Beginn der Fünfzigerjahre erreichte die tägliche Production 150 Dutzend Bestecke. Diese Er
zeugnisse, Löffel, Gabeln, Messer mit Metallgriffen, Schöpfer aus Pakfong-, Neusilber- oder Nik-
kellegirungen, auf mechanischem Wege erzeugt, und manche Sorten, reich verziert, fanden Bei
fall und guten Absatz; die Nachfrage nach Tafelgeräthen, vornehmlich Präsentirteller, Leuchter u.
s. w., gab Veranlassung, die Fabrication auch auf Tafetgeräthe aller Art auszudehnen; der Export
fand Aufnahme, die galvanische Versilberung, in Paris durch Becquerel eingeführt, fand schnelle
Verbreitung, und gegen Ende der Fünfzigerjahre war die Productionsziffer der täglichen Erzeu
gung in Berndorf auf bereits 500 Dutzend Bestecke gestiegen. Von diesem Zeitpunkte ab gestal
tete sich die Ausbreitung und Entwicklung des Unternehmens immer gedeihlicher, eine stattliche
Arbeitercoionie siedelte sich an, und aus der ehemals bäuerlichen Bevölkerung Berndorfs wur
den tüchtige und geübte Metallarbeiter herangebildet. - Imponirend und Achtung gebietend ist
das Bild, das nunmehr gegenwärtig dieses Etablissement in seiner industriellen Bedeutung dar
bietet, und beträgt die Productionsfähigkeit in Bestecken aus Metall 2500 Dutzend täglich. Für die
Fabrication von Tafelgeräthen, sogenannter Hohl- und Corpuswaare, ferner von figuralischen und
sonstigen Kunstwerken ist ein Fachpersonal von über 300 Arbeitern, meistens Gürtler, Hammer
arbeiter, Spengler, Modelleure, Ciseleure, Guillocheure, Graveure, Kunstformer etc. beschäftigt;
Haibfabicate, besonders Pakfongblech und -Drähte, werden in grossen Quantitäten fabricirt und
finden Absatz bis nach Indien und Japan.
(Entwicklung von Industrie und Gewerbe in Österreich in den Jahren 1848 - 1888, Wien 1888,
S. 242, 243)
1889
Einführung einer neuen Methode des Metallgießens. - Errichtung einer Niederlage in
Mailand
(Großindustrie Österreichs 111/1898, S. 371)
1890
Eintragung im Handelsregister Wien (Ges 36/68):
1. 4. 1890: Zweigniederlassung in Berlin unter der Firma: K. k. landesbef. Berndorfer Metallwaa
renfabrik Schoeller SC"
18. 7. 1890: Löschung der Zweigniederlassung in Berndorf
24. 10. 1890: Löschung der Zweigniederlassung in Traisen
31. 10. 1890: Löschung der Zweigniederlassung in Berlin
Arthur Krupp (geb. 31.5. 1856) erwirbt den Anteil der Firma Schoeller & Co ; ab 1. Juli
1890 Firmawortlaut: Berndorfer Metallwaarenfabrik, Arthur Krupp. - Verlegung der
kaufmännischen Abteilung von Wien nach Berndorf.
(Großindustrie Österreichs 111/1898, S. 371)
Eintragung im Handelsregister Wien (E 25/113):
26. 8. 1890: Eintragung der Berndorfer Metallwaarenfabrik Arthur Krupp, Hauptniederlassung in
Berndorf, Zweigniederlassung in Wien ins Handelsregister
Inhaber: Arthur Krupp, Metallwaarenfabrikant in Berndorf, welcher die Firma in der Weise zeich
net, daß er den mit Stampiglie vorgedruckten oder von wem immer geschriebenen Worten:
„Berndorfer Metallwaarenfabrik“ seinen vollen Vor- und Zunamen beisetzt.
Collectiv Prokuristen: Julius Aussez Ritter von Mirnau, Bernhard Dörflinger, Karl Fröhlich, Gustav
Klostermann, Franz Schrott, von denen je zwei die Firma pp. zeichnen.
Die Hauptniederlassung ist im Register für Einzelfirmen bei dem kk. Kreisgerichte zu W' Neu
stadt eingetragen
1891
Brand der Schleiferei in Fahrafeld (27. 3. 1891); Auflassen dieser Filialwerkstätte, Verle
gung nach Berndorf.
(Großindustrie Österreichs 111/1898, S. 371)
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