946. Ein do. von farbenfreiem Flintglas 3-30 -
947. Ein Flacon, oval von blaugrüner Composition, brillantirt 1-24 -
(Prag 1831, Bericht 1833, S. 38-40)
Im 1833 erschienenen Bericht zur Prager Ausstellung von 1831 wird die Teilnahme der
Harracher Hütte besonders hervorgehoben:
Geschliffenes u. poiirtes hohl- u. flaches Glas.
12.
An der Spitze dieser herrlichen Leistungen steht noch immer:
V. M. Die gräflich Ernst von Harrachsche Glasfabrik zu Neuwald, bidschower Kreises. Diese, hin
sichtlich der Schönheit und Mannigfaltigkeit ihrer Produkte allgemein rühmlichst bekannte An
stalt, das Muster zur Nacheiferung für die übrigen, lieferte unter Nro. 49 durch die reiche Suite
von Prachtgefäßen mancherlei Art, und die Mannigfaltigkeit, Zierlichkeit und Reinheit der kleinern
Artikel, worunter manche von neuerer Art, den Beweis, daß sie auf der hohen Stufe von Vollkom
menheit, welche sie errungen, sich durch ein stetes Fortschreiten zu behaupten wisse. Die vor
zügliche Schönheit und Reinheit der piattirten Glasur, welche letztere diese Fabrik in Böhmen zu
erst erzeugte, erregten allgemeine Bewunderung. - Mochte man bei den übrigen, auf der Aus
stellung befindlichen Gegenständen dieses Jndustriezweiges die Reinheit der Masse, die ver
schiedenartige geschmackvolle Form, den mit Ueberwindung aller Schwierigkeiten vollführten
Schliff, die gelungene Färbung, die herrliche Vergoldung oder gefällige Verzierung der ausgestell
ten, zum verschiedensten Gebrauche bestimmten Gefäße vereinzelt betrachten, so fand man sie
bei den Harrach'schen Erzeugnissen vereint, als einen Zyklus des Preiswürdigsten dieser Art.
Diese Fabrik gehört übrigens, wie bekannt, auch hinsichtlich der Ausdehnung ihrer Geschäfte
und der Anzahl der beschäftigten Personen unter die größten des Landes.
Als Glashütte seit 200 Jahren bestehend, verfertigte sie Anfangs blos Fenstertafeln (sogenannte
Bräterkuchen zu den runden sechseckigen kleinen Fensterscheiben) und anderes ordinäres Krei
denglas und Medizinglas. Seit 1732 wurde Tafelglas und Kreidenglas nebst etwas Farbenglas er
zeugt, und zur Bearbeitung nach der damaligen sehr unvollkommenen Art wurden zwei Schleif
mühlen errichtet, und ein Glasschneider, damals Zierathenschleifer genannt, beschäftiget: auch
fing man mit Mahlen und Vergolden an; die Mahlerei war aber blos die sogenannte Kleckmahlerei,
indem mit venezianischen Schmelzfarben arabeskenartige sehr rohe Verzierungen dick aufgetra
gen wurden. 1764 fing man an, Beinglas und anderes Farbenglas zu erzeugen; um 1780 fanden
die Produkte der Glashütte, in verschiedenem Farbenglase, gemahlten und vergoldeten Glaswaa-
ren hauptsächlich nach Pohlen Absatz. -
Da durch die nachmalige Theilung Pohlens und die Sperre Rußlands, dieser Handel in Stocken
gerieth, so wurde seit 1796 mehr auf die Verfeinerung und Raffinirung des Glases verwendet, und
die Bearbeitung desselben durch Schleifen, Schneiden, Mahlen und Vergolden immer mehr ver
vollkommnet. Seit 1814 wurde vorzüglich eine größere Reinheit des Kreidenglases, des haupt
sächlichsten Produktes der Fabrik erzweckt. Jm Jahre 1826 wurde die von den Franzosen erfun
dene Einglasung von Pasten glücklich nachgeahmt, und 1828 das rubinplattirte Glas zuerst dar
gestellt, welchem auch die Plattirungen mit andern Farbengläsern, und die mannigfaltige und
zierliche Bearbeitung dieses Artikels durch Schleifen und Graviren folgten. Mit der Produkzion
dieser Art Fabrikate beginnt gewissermassen eine neue Epoche in dem böhmischen Glashütten
wesen, und man sieht seitdem die immer größere Vervollkommnung derselben, welche sich auch
auf andere Fabriken verbreitet hat. Nachdem die vorige Ausstellung Proben des von dieser Fabrik
in der österreichischen Monarchie zuerst bereiteten Flintglases mit besonderem Beifalle zeigte,
erschien gegenwärtig als neu die Verwendung von piattirten und farbigen durch Schleifen und
Graviren raffinirten Tafelgläsern zu Lichtschirmen und Fenstern für Gärten=Pavillons nach Art der
berühmten bunten Fenster in gothischen Gebäuden des Mittelalters. Außer den zahlreichen Gat
tungen von Hohlglas, piattirten und doppelfärbigen Gläsern, die der Ausstellungskatalog nebst
Proben von Hyalith nachweist, erzeugt sie sehr gelungenes, sogenannt englisches Flint= und
Klangglas. An Komposizionen (falschen Edelsteinen) liefert sie Rubine, Amethiste, Chrysoprase,
Topase und Rosafarbsteine. Vom gedruckten Glase: Lustersteine und Perlen.
Der hohe Kredit, dessen sich ihre Erzeugnisse mit Rücksicht auf die angemessenen Preise er
freuen, hat der Fabrik einen solchen Absatz verschafft, daß im raffinirten Glase nur auf Bestellung
gearbeitet wird, deren Abnahme sowohl für die Provinzen der Monarchie, als zur Verführung nach
Spanien, Amerika und die Levante geschieht; ihr unmittelbarer eigener Verkehr erstreckt sich auf
die italienischen bairischen, preußischen und Rheinprovinzen, bis nach Holland.
261