Jn einem Thale des höchsten Riesengebirges gelegen, erhält diese Anstalt - außer den bei dem
Huttengebäude, dem Glas= und Kiesbrennofen, dem Pochwerke, der Hafenstube Lusterstein-
druck= und Komposizionsbrennhütte, beschäftigten Arbeitern - fast alle Bewohner der in diesem
Thale nahe beisammen liegenden drei Ortschaften: Neuwald, Harrachsdorf und Seifenbach, zu
sammen 311 Familien in 185 Wohngebäuden; nebstdem werden noch eine Menge hier erzeugte
Glaswaaren — hauptsächlich gequetschte Lustersteine und Perlen — auf der angränzenden Herr
schaft Morchenstern raffinirt. Es mag hier mit Lobe und andern Anstalten zur Nachahmung er
wähnt werden, daß die menschenfreundliche Obrigkeit, als Fabrikseigenthümer, durch kleinere
Beiträge der Arbeiter eine Pensions= und Aushilfskasse eingeführt hat, aus Eigenem einen nahm-
haften jährlichen Beitrag hiezu anweist, und nebstdem auch für den Unterricht der Lehrlinae im
Zeichnen sorgt.
Anstalten dieser Art für Nazionalökonomie, Jndustrie und Handel von größter Wichtigkeit, tragen
die Bürgschaft des erfreulichsten Fortschreitens in sich, und da dieser Fabrik bereits das vorige
mal die goldene Medaille ertheilt wurde, so konnte die Beurtheilungskommission die neuerliche
Würdigung dieser so vorzüglichen, das Vaterland wahrhaft ehrenden Leistungen nur in der Aner
kennung aussprechen, daß selbe auch diesmal der bereits erhaltenen Auszeichnuna würdia sev
(Prag 1831, Bericht 1833, S. 43-46) y y
1835
Teilnahme an der Ersten allgemeinen österreichischen Gewerbsprodukten=Ausstel-
lung, Wien 1835:
Oraf Ernst von Harrach, Jnhaber der k. k. privil. Glasfabrik zu Neuwald, Böhmen Bidschower
Kreis (Exp. Nro. 410).
Die Glashütte bestehet schon seit 200 Jahren. Sie war in dem Dorfe Salmbach erbaut, von da
nach Seifenbach und später erst nach Neuwald, in ein im höchsten Riesengebirge befindliches
Thal übertragen. Jn der ersten Periode beschäftigte sie sich mit der Erzeugung ordinären Glases
zu Fensterscheiben und verschiedenen Gefäßen. Jm J. 1732 wurden zwei Schleifmühlen errich
tet; es fanden sich schon Glasmaier und Glasschleifer vor, und das Raffiniren der Glasartikel, wel
che Absatz in Polen, Rußland, Spanien und der Türkei fanden, nahm seinen Anfang. Seit dem J.
1796 hob sich die Raffinirung noch mehr. Jm J. 1814 erzeugte man schon, durch sorgfältige Wahl
und Verbesserung der Materialien, reineres und weißes (farbenloses) Glas. Die Schleifwerke ver
mehrten sich, und Glasmaler, Vergolder und Goldspinner fanden hinlängliche Beschäftigung. Jn
den J. 1826 bis 1830 ist die Einglasung der Kameen, Wappen und Münzen, die Plattirung des Gla
ses mit Rubin= und anderen Farben, die Erzeugung des englischen Klangglases und die bis jetzt
noch nicht übertroffene Fabrikation des verschieden gefärbten Kompositionsglases, zur Verar
beitung auf unechte Edelsteine und verschiedene luxuriöse Gefäße, zu Stande gebracht worden.
Proben des Flintglases finden sich ebenfalls vor, und die sogenannten Lustersteine werden seit 8
Jahren in großen Mengen, besonders für das Ausland, erzeugt.
Außer dem Dienstpersonale, welches bei den Hüttengebäuden, den 2 Glasöfen, dem Tamper, den
3 Holzdörr=, Kiesbrenn= und Tafelstrecköfen, dem Pochwerke, der Hafnerei, der
Lustersteindruck= und Kompositionshütte, und den 7 Schleifmühlen beschäftiget ist, finden 4 Pri
vatschleifmühlen, die Vergolder, Glas= und Lustersteinschleifer in Rochlitz und auf der Herrschaft
Morgenstern, so wie auch die in der Nähe der Glashütte liegenden Ortschaften Neuwald, Harras
dorf [siel] und Seifenbach beinahe ausschließend für dieses Etablissement Arbeit.
Das Dienstpersonale hat eine Pensionskasse für unfähig gewordene Arbeiter, Witwen und Wai
sen, gegründet, deren Fond von Jahr zu Jahr durch einen Theil des jährlich zurückzulegenden
Verdienstes und durch Beiträge von Seiten der Herrschaft sich vergrößert. Lehrlinge werden un
entgeltich im Zeichnen unterrichtet.
Der Absatz der Neuwalder Glaserzeugnisse findet in den Hauptplätzen des Jnlandes, in Jtalien,
Preußen, Sachsen, Bayern, Holland und über Hamburg in Amerika Statt.
Die Verdienste des Hrn. Grafen v. Harrach um die Jndustrie wurden bei den Gewerbsprodukten=
Ausstellungen in Prag (1829 und 1831) zweimal der Auszeichnung durch die goldene Medaille ge-
würdiget.
Zur Ausstellung hat die Glasfabrik ein Sortiment ihrer Erzeugnisse eingesendet, welches die hohe
Stufe der Vollkommenheit nachweiset, zu welcher sich dieser Jndustriezweig in Böhmen empor
geschwungen hat. Man fand unter den Expositionsstücken: Große Tafelaufsätze mit verschiede
nem Zugehör, als: Fruchtteller, Schalen u. s. w., von welchen einer aus 19 Theilen zusammenge
setzt war; Kandelabers aus 14 Theilen zusammengesetzt, für 7 Kerzen; Tafelleuchter von
Goldtopas=Komposition; ein Lavoir mit Kanne; mehrere Dessertteller mit Einglasung, Steinku-
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