radirt vergoldet, Fruchtschalen mit Krystall-Sphynxen; Humpengläser, Pokale, Kannen, mit durch
schlafener Arbeit; von Innen rosenfarbig plattirte Etagere mit krystall-mattirten Schwänen und
Delphinen; geschälter Krug mit Henkel aus dem Ganzen; Brotkörbe; marmorirte, plattirte, ge
wundene, verschnürte Gefässe; Vasen, Flacons, Zuckerschalen, aus Goldtopas-, Rosa-, Kunkel
rubin-, Isabell-Composition, Pokale, Teller, Briefbeschwerer mit geschnittenen Figuren; Kreuz-
Postamente mit eingeglasten Cameen, mit Rubin-Sockel und Goldverzierungen u. dgl.
Die Luxus-Gegenstände dieser berühmten Fabrik reihen sich an jene der vorerwähnten Unter
nehmung. Sie überbieten sich wechselseitig an Reinheit des Stoffes, Vollendung und Kühnheit
der Form, Pracht der Farben, überraschender Neuheit in der Ausführung und Lösung der schwie
rigsten Aufgaben dieses Gewerbszweiges.
Diese Anstalt, die Dörfer Neuwelt, Harrachsdorf und Seifenbach umfassend, deren 2200 Bewoh
ner sie ausschliessend ernährt, enthält 2 Glasöfen, mehrere Tamper- und Holzdörr-, 1 Kiesbrenn-,
2 Compositions-Schmelz-Oefen, 1 Lusterstein-Druckhütte, 2 Kiespochwerke, 8 Schleifmühlen
und zahlreiche Privat-Werkstätten.
Die Umsicht und Humanität, mit welcher der Betrieb geleitet wird, bewähret die dortige Zeich
nungsschule für die Lehrlinge und die Pensions-Casse.
Bei den Wiener Ausstellungen in den Jahren 1835 und 1839, so wie bei der Berliner Ausstellung
im Jahre 1844 erhielt jedesmahl die Harrach'sche Fabrik zu Neuwelt die goldene Medaille. Die
selbe Auszeichnung erlangte sie auch bei der Wiener Ausstellung im Jahre 1845.
(Wien 1845, Bericht S. 99, 100)
A. Reden berichtet von der Teilnahme der Harrach’schen Glasfabrik an der Wiener
Ausstellung 1845:
Von den auf der Gewerbe-Ausstellung befindlich gewesenen Gegenständen dieses Abschnitts
sind zuerst, Kat. No. 863, Meyers Neffe zu Adolph- und Leonorenheim, Prachiner Kreis, zu nen
nen, denn sie besitzen eines der besten Etablissements des Kaiserstaats im Bereich der Glasin
dustrie, und eines der ausgedehntesten. Es enthält vier Hohlglasöfen von je acht Hafen und zwei
Tafelöfen von je sieben Hafen, zwölf Schleifmühlen mit 200 Ständern u. s. w., fast ununterbrochen
in Betrieb, und beschäftigt dadurch direkt an 400 am Ort ansässige Arbeiter. In gleicher Linie ist,
Kat. No. 1542, die Glasfabrik zu Neuwelt, Bidschower Kreis, dem Grafen F. E. von Harrach gehö
rig, zu stellen, obgleich deren Umfang weniger bedeutend ist (Pensionskasse, Zeichenschule).
Beide Fabriken setzen einen grossen Theil ihrer Luxusartikel nach England, den Zollvereinstaa
ten, der Schweiz, Italien und den Hansestädten ab, theils als Erzeugniss der eigenen Raffinerie,
theils durch Lieferung des feinen Rohglases an andere Raffinerien. Sie erzeugen die feinsten Gat
tungen der Krystallgläser, weiss und in allen gangbaren Farben; das Rubin plattirte Glas, den
Kunkelschen Rubin, das venezianisch-spiralförmig gewundene, das petinetartige und das mar
morartige Glas; ferner glattes facettirtes Schleifglas, weiss und farbig, Sturz- und Uhrgläser aller
Gattungen, Tafelglas in allen Abstufungen (dieses nur die Meyrsche Fabrik). Das Krystallglas ist
weiss, rein und feurig, widersteht auch den nachtheiligen Einflüssen der Atmosphäre und der
Sonnenstrahlen, indem es seinen ursprünglichen Glanz und Farbe behält; die Farben sind rein,
lebhaft und dauernd; die Plattirung auf Email und Krystall ist vortrefflich; die gepressten Gegen
stände stehen den besten französischen wenig nach; die Schleiferei ist schön, so dass nur einige
Raffinerien des Zollvereins auf gleicher Höhe technischer Ausbildung sich befinden. Fast sämmt-
liche Gegenstände auf der Ausstellung genügen auch den Anforderungen der Kunst vollständig,
ein edler Geschmack zeigt sich in Form, Farbe und Verzierung. Neue und eigenthümliche Er
zeugnisse sind die mehrfarbigen marmorirten, die gelb nüancirten, die schön violetten Gläser.
Unter den Tafelglaserzeugnissen der Meyrschen Fabrik sind besonders erwähnenswerth: die Ka
litafeln für Brillengläser und Porträts, Solintafeln für Kupferstiche und die verschiedenfarbigen
Fensterglastafeln.
(Wien 1845, Reden, S. 57, 58)
Der Beitrag des französischen Berichterstatters Peligot von der Wiener Ausstellung
1845 wurde offenbar für wichtig befunden und daher ins Deutsche übersetzt:
Die Fabrik des Herrn Grafen v. Harrach, dessen Name einer der ältesten und glänzendsten der
österreichischen Monarchie ist, liegt zu Neuwald in Böhmen. Jhre Erstehung datirt sich mehr als
zwei Jahrhunderte zurück; früher erzeugte sie indessen nur ordinäres Hohl= und Tafelglas, und
erst im Jahre 1732 fing man dort an, gravirte Gläser anzufertigen und die Emaillirung der Venetia-
ner nachzuahmen. Die Fabrication des Milchglases (verre opale) schreibt sich dort vom Jahre
1764 und jene des Rubin= und Überfangglases (verre double) vom Jahre 1828 her. Es arbeiten
dort 2300 Personen, durchgängig Eingeborne. Die Fabrik besitzt eine Zeichenschule und eine
Pensionscasse; sie stand von jeher an der Spitze der böhmischen Glasfabrication und hat viel zu
ihrer Vervollkommnung beigetragen. Sie hatte an die Wiener Ausstellung eine Menge verschiede-
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