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Full text : Volkswirthschaftliche Studien über Constantinopel und das anliegende Gebiet: Beiträge des k. u. k. Consulates und der österreichisch-ungarischen Handelskammer in Constantinopel zur Darstellung des Welthandels und der Geschichte der Preise auf der internationalen Ausstellung in Wien 1873

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Die  Aufgabe  der  Commissionäre  ist  eine  sehr  schwierige.
Sie  haben  es  mit  Kunden  zu  thun,  die  in  den  seltensten  Fällen
kaufmännische  Bildung  besitzen,  keine  regelrechten  Bücher  führen, ­
  und  bei  der  Ertheilung  der  Ordres  sehr  sorglos,  dagegen
bei  Prüfung  der  Waare  sehr  schwierig  zu  Werke  gehen.  Dadurch
wird  der  Agent  gezwungen,  für  seine  Kunden  selbst  zu  denken?
sie  auf  alle  möglichen  Eventualitäten  aufmerksam  zu  machen,
und  ihnen  sozusagen  die  Bücher  zu  führen.
Seinen  auswärtigen  Häusern  gegenüber  hat  der  Commissionär
insofern  einen  schwierigen  Stand,  als  diese  es  nicht  begreifen
können,  wenn  das  unscheinbarste  Versehen  bei  Aufmachung,
Emballage,  Etiquettirung  der  Waare  —  mag  auch  die  Qualität
dabei  nicht  im  geringsten  berührt  werden  —  zu  den  grössten
Differenzen  mit  den  Kunden  führt,  die  oft,  wie  schon  erwähnt,
blos  nach  Aeusserlichkeiten  urtheilen.
Nebst  der  Uebernahme  der  Ordres  besorgt  der  Commissionär
auch  die  Ausfolguug  der  Waare  und  das  Incasso,  wofür  er  die
schon  besprochene  Provision  erhält.
Bei  Consignationswaaren  (als  solche  werden  übrigens  nur
wenige  Artikel  aus  der  Schweiz  und  Deutschland  verkauft)
bringt  er  ausserdem  Courtage  und  Magazinage,  zusammen  ly*
bis  2®/ 0  in  Rechnung.
Der  Verkauf  wird  durch  gewöhnliche  Platz-Courtiers  sehr
oft  durch  eigene  Angestellte  besorgt;  beeidete  Sensale  gibt  es
nicht.  Die  Preise  werden  immer  netto  und  franco  hiesiges  Magazin ­
  in  Landeswährung  gestellt.  Statt  des  Sconto  wird  für  die
Zahlung  ein  abusiver  Cours  bedungen,  in  der  Art,  dass  die  Livre
turque,  deren  effectiver  Werth  100  Piaster  ist,  zum  Course  von
103  bis  120  genommen  wird.  Gewöhnlich  werden  die  Preise
solcher,  vom  Lager  gekauften  Waare  für  türkisches  Maas  gestellt:
für  riff  (—  77  Centimeter),  pick  (;=  68  V 2  Centimeter)  oder
endaze  (=  65-2  Centimeter).
Alle  Waaren  dagegen,  die  aut'Grundlage  fester  Bestellungen
kommen,  werden  franco  Fabrik,  zuweilen  auch  franco  Einschiffungshafen
  in  der  Währung  und  dem  Maase  der  betreffenden
Exportländer  -verkauft.
Der  Transport  nach  Constantinopel  geschieht  zur  See,  und
zwar  von  England  meistens  über  Liverpool,  selten  via  London.
            
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