202
Alle Artikel gemessen einen Scouto von 2y a »/ 0 , den die
englischen Exporteure ihren Kunden in der Form eines 3- bis
^monatlichen zinsenfreien Zieles bewilligen.
Das Transitgeschäft ist ein kaum nennenswerthes; die
Käufer aus den Provinzen und benachbarten Ländern kommen
zum Einkäufe auf den Platz, ohne dass ein directer Versandt
von England über Constantinopel stattfände.
Spitzen und Tülls.
Provenienz.
Der Hauptbedarf unseres Platzes an Baumwoll- und Leinen
spitzen, sowie an glatten und geblümten (figured) Tülls wird, was
die billigen Sorten anbelangt, fast ausschliesslich aus England
bezogen; feinere Sorten hingegen, besonders Guipure - Spitzen
und andere werden seit einigen Jahren vorzugsweise aus Sachsen,
theilweise auch aus Böhmen importirt.
England verdankt den grossartigen Umsatz seiner Spitzen
vor Allem der Massenfabrication durch Maschinen, wodurch sich
die Preise für geringe Qualitäten ungemein billig stellen, weil
dabei weniger der Preis des verwendeten Materiales, als die
Kosten der Herstellung in die Wagschale fallen. — Feinere
Sorten sind allerdings nicht so billig zu erzeugen, da ein höherer
Werth des Rohmateriales naturgemäss auch den Arbeitslohn
vertheuert. Darin liegt der Grund, dass bessere Artikel in den
letzten Jahren aus Sachsen und Böhmen, wo man dieselben
durch Handarbeit herstellt, bezogen wurden. Die Geschichte
der englischen Spitzenfabrication bietet so viel des Interessanten,
dass ihrer auch hier in Kürze erwähnt werden soll.
Die Strumpfwirkerei, als älteste Schwester dieser Kunst,
wurde bereits im Mittelalter von den Bewohnern des mittleren
Theiles von England, woselbst sie von Flamändern eingeführt
worden sein soll, ausgeübt. Einen grossem Aufschwung nahm
sie jedoch erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts mit der Erfin
dung des Strumpfwirkestuhles durch William Lee, dessen im
Jahre 1582 in Nottingham gebaute Maschine in ihrer ursprüng
lichen Form bereits mehr leistete, als sechs geschickte Arbeiter.