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Mekka z. B. beleuchtet in festlichen Zeiten auch Strassen
und Stadtmauern mit solchen gläsernen Lämpchen, woraus sich
auf den kolossalen Bedarf ein Schluss ziehen lässt.
Glasperlen, welche im Innern von der ärmeren Bevölkerung
zu Schmucksachen verwendet werden, liefern ebenfalls ein star
kes Contingent zur Glas-Importation.
Nur zwei Artikel, welche früher sehr stark importirt wur
den, sind gegenwärtig in der Abnahme begriffen. Es sind diess
Nargilehs und Pfeifenspitzen in Bernstein-Imitation.
Früher fehlte in keinem Hause die für alle Bewohner hin
reichende Anzahl Nargilehs und Pfeifen, und wurde davon auch
in allen Kaffeehäusern ein grosser Vorrath gehalten. Seither
sind jedoch diese Bauchrequisiten durch die sich immer mehr
einbürgernde Papier-Cigarrette verdrängt worden, und finden
erstere nur noch unter den Alt-Türken wenige Liebhaber.
Oesterreich, das früher für die Glasimportation nach der
Levante dominirend war, hat heute eine arge Concurrenz von
Seite Englands, Frankreichs und Belgiens zu bestehen, ja wurde
von den genannten Ländern zum Theile schon überflügelt.
Die Hauptursache dieser Zurücksetzung liegt darin, dass
die österreichischen Fabrikanten in der Erzeugung von gepresstem
Glase nicht so vollkommen sind, wie ihre Concurrenten, und dass
gerade diese Qualität Glas in der Levante bevorzugt wird.
So liefert Oesterreich gegenwärtig nur eine sehr geringe
Quantität Trinkgläser, während England den Hauptbedarf darin
deckt — ein kleiner Theil fällt auch Frankreich zu.
Die englischen Gläser sind schön, und was die Hauptsache
ist, billig. Ihr besonderer Vorzug ist, dass sie durchaus egal
gearbeitet sind, während an den österreichischen in dieser Hin
sicht viel getadelt wird.
Belgien liefert ausschliesslich Fensterscheiben und konnte
bis jetzt keine Concurrenz dagegen ankommen. Der Bedarf
darin ist ein sehr bedeutender. Auch die
Türkei versucht sich in der Erzeugung von Glas. Es exi-
stirt in Constantinopel eine Manufactur, in welcher Glasscheiben
umgesciimolzen und weiter verarbeitet werden. Diess geschieht
jedoch auf eine so primitive Art und liefert so schlechte Masse,
dass dieselbe kaum zu Apothekergläsern ordinärster Art ver-