Arzneien und Parfümerien, nebst Apotheker-Requisiten.
Von Dr. Weissbacli,
k. k. liegimentsarzt.
Mit Beiträgen von Czakö.
(In Beziehung auf die ausgestellten Muster.)
Von eigener chemischer Erzeugung kann Constantinopel
beinahe gar nichts aufweisen, indem jene Kleinigkeiten, welche
die Apotheker selbst sich bereiten, kaum in Betracht kommen.
Chemische Laboratorien gibt es nicht, ausser etwa einigen,
von Privaten zu ganz besonderen Zwecken, z. B. zur Prütung
von Opium, ätherischen Oelen etc. gehaltenen, die natürlich sich
blos auf Analysen einzelner Zweige beschränken und dem Publi
cum nicht zu Diensten stehen.
Das Fehlen solcher Laboratorien dürfte theilweise, über
haupt in den hiesigen Zuständen jeder Industrie, im Mangel und
hohen Lohne tauglicher Arbeiter seinen Grund finden, der jeden
falls bedeutend unterstützt wird von dem Umstande, dass das
Studium der Chemie äusserst stiefmütterlich behandelt wird und
sozusagen ein grosser Theil der Apotheker aui empyriscbem
Wege, ohne chemische Kenntnisse zur Ausübung des Gewerbes
kömmt und dass es überhaupt allen viel bequemer und gewinn
bringender erscheint, die fertigen Präparate sich ohne viel Mühe
vom Auslande zu verschaffen.
Constantinopel bezieht alle chemischen Präparate aus den
verschiedensten Theilen Europa’s und wir wollen ganz besonders
die Aufmerksamkeit unserer vaterländischen Chemiker auf viele
Artikel lenken, um sie zu überzeugen, dass Oesterreich am
hiesigen Importe chemischer Producte leider einen sehr kleinen
Antheil hat.
Bevor wir uns zu den einzelnen Artikeln wenden, seien
einige Bemerkungen über die hiesige Dampfschiffahrt voraus
geschickt.