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Bekanntlich wird Rosenöl sehr häufig gefälscht. Am meisten
geschieht dies beim Kleinverkauf in dem Bazar von Constan-
tinopel; Fälschung mit fetten Oelen oder Spiritus ist sehr leicht
zu erkennen. Um die Fälschung mit ätherischen Oelen zu erkennen,
ist ein geübter Geruchssinn das beste Mittel.
Jedenfalls tliun Käufer immer gut, sich an bekannte Häuser
zu wenden, deren Stellung und Ruf Bürgschaft für reelle
Bedienung gewähren.
Der Export en gros ist meistens in den Händen deutscher
Häuser. Die beiden ältesten Firmen, welche sich damit beschäf
tigten, sind beide erloschen. Gebrüder Matthieu und Gebrüder
Antoniadi und Keifer, später Antoniadi. Die Nachfolger
der ersten sind Ihmsen & Comp., die Nachfolger der andern,
die Verfasser dieses Berichtes Hammer und Hirzel. Andere
deutsche Häuser, welche Rosenöl exportiren, sind: H. A.
Holstein und Hübsch-Grünberg. Diese Häuser haben alle
Agenten in Kisanlik und kaufen daher aus erster Hand. Ausser
diesen Häusern handeln mehrere bulgarische und griechische
Häuser mit Rosenöl, verkaufen diess aber grösstentheils in
Constantinopel.
Der gegenwärtige Preis von Rosenöl, krystallisationsfähig,
bei ungefähr' 12° Reaumure Reinheit garantirt, ist 480 Gulden
effectiv Silber, oder 1200 Franken, oder 320 Thaler, oder 47>/ ä
£ Sterling das Kilogramm, franco Emballage und franco an
Bord in Constantinopel.
Bis jetzt sind die Aussichten auf die nächste Ernte günstig.
Der Winter war ausserordentlich milde und die Pflanzen sind in
Folge dessen mehr als gewöhnlich vorgerückt. Diess ist jedoch
um so gefährlicher, wenn ein plötzlicher Frost eintreten sollte,
was auch im Monate März oder April keine Seltenheit ist. Jeden
falls aber gibt erst das Wetter während der Destillation der
Rosen den Ausschlag, so dass man vor der ersten oder zweiten
Woche des Monates Juni nur Muthmassungen über die Ernte, aber
keine bestimmte Meinung haben kann.