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gebräuchlichen primitiven Werkzeugen schwer ausführbar ist,
und folgendermassen ins Werk gesetzt wird: Man macht Abends
vor dem Verlassen des Schachtes auf der Felsenlage ein starkes
Feuer an; dieses zerklüftet seine Unterlage, soweit ein stär
kerer Hitzegrad eindringt, während der Nacht und am andern
Morgen ist man in der Lage, einige Zoll tief abzubröckeln.
Dynamit-Patronen sind, wie man sieht, bis in diese Gegend
noch nicht vorgedrungen.
Da die beschriebene Arbeit sehr zeitraubend ist, und der
Bevölkerung bei ihrem Hange zur Bequemlichkeit nicht zusagt,
so machen sich Wenige und diese nur im äussersten Falle daran.
Die in derselben Richtung gelegene Grube Sari Su oder
„Gelbes Wasser“ — nach einem nahe liegenden Moraste so
genannt — liefert zwar gutes Product, aber nur kleine Blöcke,
die wenig Werth haben und die Arbeit nicht immer rentabel
machen.
Im Westen und Nordwesten, 7 Stunden von der Stadt ent
fernt, liegen die Gruben von Inoum und Softscha, werden jedoch
schon Jahre lang nicht mehr bearbeitet, da beide nur gelbliches
Product liefern.
Die Umgebung der Stadt Eski-Scheir bildet eine Mulde, die
wahrscheinlich ein grosser ausgetrockneter See ist, denn der
Meerschaum erscheint am ganzen Rande, an festes Gestein in
rother Erde, mit Kiesgerölle gemischt, angeschwemmt; die
Schichten liegen im Winkel von 45° an den Berg angelehnt.
Zwischen je zwei Lagen Kiesgerölle, welche zuweilen von einer
Erdschicht unterbrochen sind, trifft man eine Lage Meerschaum.
Oft erscheint der Meerschaum als Umhüllung eines grossen
Kiesblockes.
Es ist anzunehmen, dass der Meerschaum kein eigentliches
Mineral, sondern ein Zersetzungsproduct ist, da die einzelnen
Knollen von ihrer Oberfläche aus zuerst mehr erdigen Charakter
zeigen, im Innern aber allmälig in reinsten Meerschaum
übergehen.
Die Entwicklung des eigentlichen Handels und Exports von
Meerschaum datirt vom Anfänge des achtzehnten Jahrhunderts.
Wie schon erwähnt, fingen die Türken an, den Meerschaum
zu Pfeifenköpfen zu verarbeiten, die in verschiedenen Faqons