MAK

Full text: Volkswirthschaftliche Studien über Constantinopel und das anliegende Gebiet: Beiträge des k. u. k. Consulates und der österreichisch-ungarischen Handelskammer in Constantinopel zur Darstellung des Welthandels und der Geschichte der Preise auf der internationalen Ausstellung in Wien 1873

349 
gebräuchlichen primitiven Werkzeugen schwer ausführbar ist, 
und folgendermassen ins Werk gesetzt wird: Man macht Abends 
vor dem Verlassen des Schachtes auf der Felsenlage ein starkes 
Feuer an; dieses zerklüftet seine Unterlage, soweit ein stär 
kerer Hitzegrad eindringt, während der Nacht und am andern 
Morgen ist man in der Lage, einige Zoll tief abzubröckeln. 
Dynamit-Patronen sind, wie man sieht, bis in diese Gegend 
noch nicht vorgedrungen. 
Da die beschriebene Arbeit sehr zeitraubend ist, und der 
Bevölkerung bei ihrem Hange zur Bequemlichkeit nicht zusagt, 
so machen sich Wenige und diese nur im äussersten Falle daran. 
Die in derselben Richtung gelegene Grube Sari Su oder 
„Gelbes Wasser“ — nach einem nahe liegenden Moraste so 
genannt — liefert zwar gutes Product, aber nur kleine Blöcke, 
die wenig Werth haben und die Arbeit nicht immer rentabel 
machen. 
Im Westen und Nordwesten, 7 Stunden von der Stadt ent 
fernt, liegen die Gruben von Inoum und Softscha, werden jedoch 
schon Jahre lang nicht mehr bearbeitet, da beide nur gelbliches 
Product liefern. 
Die Umgebung der Stadt Eski-Scheir bildet eine Mulde, die 
wahrscheinlich ein grosser ausgetrockneter See ist, denn der 
Meerschaum erscheint am ganzen Rande, an festes Gestein in 
rother Erde, mit Kiesgerölle gemischt, angeschwemmt; die 
Schichten liegen im Winkel von 45° an den Berg angelehnt. 
Zwischen je zwei Lagen Kiesgerölle, welche zuweilen von einer 
Erdschicht unterbrochen sind, trifft man eine Lage Meerschaum. 
Oft erscheint der Meerschaum als Umhüllung eines grossen 
Kiesblockes. 
Es ist anzunehmen, dass der Meerschaum kein eigentliches 
Mineral, sondern ein Zersetzungsproduct ist, da die einzelnen 
Knollen von ihrer Oberfläche aus zuerst mehr erdigen Charakter 
zeigen, im Innern aber allmälig in reinsten Meerschaum 
übergehen. 
Die Entwicklung des eigentlichen Handels und Exports von 
Meerschaum datirt vom Anfänge des achtzehnten Jahrhunderts. 
Wie schon erwähnt, fingen die Türken an, den Meerschaum 
zu Pfeifenköpfen zu verarbeiten, die in verschiedenen Faqons
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.