.‘)5ü
angefertigt wurden. Als Verzierung waren damals besonders
beliebt Weintrauben und Vergissmeinnicht ähnliche Blumen, die
man aus Perlen, Steinen und Metalldraht herstellte.
Der Gründer des Exports war ein unternehmender Drechsler
der damaligen Periode, welcher einen Hausirhandel begann und
die griechischen Kaufleute in Philippopel auf den Artikel auf
merksam machte. -— Da aber damals eine Reise nach Eski-
Schei'r theils wegen der schlechten Strassen, theils des umher
streifenden Raubgesindels wegen mit grossen Gefahren verbun
den var, vereinigten sich die Käufer jährlich zu einer grossen
C'aravane und versahen sich mit der Waare.
Das hier Gesagte gilt übrigens auch für die Gegenwart,
Die Strassen, welche Eski-Schei’r mit dem Meere verbinden,
befinden sich noch jetzt in einem sehr kläglichen Zustande, und
das Raubgesindel stirbt in diesen Gegenden nie aus. Alljährlich
wiederholen sich Ueberfälle von Reisenden, und selbst die mit
Bedeckung reisenden türkischen Postcouriere sind schon zu
wiederholtenmalen ausgeraubt worden. Insolange sich diese Ver
hältnisse nicht ändern — und die Hoffnung auf Besserung liegt
noch ziemlich weit - bleibt der Handel in diesem Artikel mit
einem bedeutenden Risico verbunden, abgesehen davon, dass
der Kaufmann bei den misserablen türkischen Douanen- und
Transportverhältnissen, von denen später die Rede sein wird,
noch andere, vielleicht grössere Gefahren läuft.
Lange Zeit wurde der Handel in dieser Art betrieben. Da
aber die türkischen Pfeifendrechsler immer die alten Muster bei
behielten, so wurde mit gutem Erfolge der Versuch gemacht,
den Meerschaum in rohem Zustande zu exportiren und in Pest
und Wien von den geschickteren Drechslern und Bildhauern
formen zu lassen.
Von da an begann die Ausfuhr des Rohproductes, welches
zur Frachtersparung und Unterscheidung der Qualität von der
äussern Erdrinde befreit wurde. Um die Blöcke während der
Reise vor dem Einflüsse der Nässe zu bewahren, wurden sie in
geschmolzenen Talg getaucht, und durch nachheriges Reiben
mit Tüchern und Wollfetzen einigermassen polirt. Man sortirte
drei Qualitäten: feine, fehlerfreie als I a , etwas fehlerhafte als II a