nur die Sommermonate Juni und Juli durch meist trockene Hitze
die Bodenbearbeitung schwer machen), könnte wohl der Acker
bau unter sonst geordneten Verhältnissen und bei rationellem
Betriebe zu ausserordentlicher Blüthe gebracht und das Land
im vollsten Sinn des Wortes zu einer Getreidekammer Europa’s
gemacht werden. Leider aber ist die Bearbeitung des Bodens so
primitiv und den anderen Ländern Europa’s gegenüber so sehr
zurück, dass in dem hiesigen Bezirke wol kaum mehr durch
die Agricultur erzeugt wird, als die Deckung des einheimischen
Verbrauches es erheischt, wobei jedoch schon Constantinopel
auf den Import von aussen her angewiesen ist. In den meisten
Districten besteht die Gewohnheit, die Felder in jedem dritten
Jahre, nachdem sie zw 7 ei Jahre hindurch bebaut wurden, brach
liegen zu lassen und während dieser zwei Jahre werden diese
Felder gewöhnlich mit verschiedenen Früchten, jedoch nicht
nach einem bestimmten System bebaut, während sie während
ihrer Brachzeit im günstigen Falle irgend einem Schafherden
besitzer für ein geringes Entgeld zur Schafweide vermiethet
werden. Nach dieser, oft mehrere Jahre dauernden Brache wird
der vergraste Boden dann im September oberflächlich auf
gerissen, so bis November liegen gelassen, worauf dann der
Same, grösstentheils Weizen, auf diesen Aufriss geworfen und
derselbe sodann mit dem Pfluge noch einmal durchwühlt wird.
Die meisten Culturgewächse werden im Herbste als Winter
früchte angebaut und nur diese werden auf grösseren Flächen
cultivirt. So der Weizen, die Gerste, der Hafer, der Lein, welche
hauptsächlich — und Bohnen, welche nebenbei auch angebaut
werden. Mais und Wicken werden im Frühjahr, der Tabak im
April oder Mai angepflanzt. Die Düngung der Felder ist in der
Türkei im Allgemeinen fast unbekannt, da der Landwirth die
Kosten der Handarbeit beim Aufladen des Düngers, sowie dessen
Verführung scheut, und der Dünger, der dann meist keine Ver
wendung findet, bleibt in den Meierhöfen oft jahrelang angehäuft
liegen, bis Regen und Wind für sein Verschwinden sorgt, und
doch wäre bei dem ziemlich strengen Boden eine regelmässige
Düngung zu einer rationellen Bewirthschaftung unbedingt noth-
wendig und äusserst vortheilhaft. Ueberdiess wird auch bei dem
gegenwärtigen Stande der Viehzucht, wo Stallfütterung zu den