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Full text: Volkswirthschaftliche Studien über Constantinopel und das anliegende Gebiet: Beiträge des k. u. k. Consulates und der österreichisch-ungarischen Handelskammer in Constantinopel zur Darstellung des Welthandels und der Geschichte der Preise auf der internationalen Ausstellung in Wien 1873

nur die Sommermonate Juni und Juli durch meist trockene Hitze 
die Bodenbearbeitung schwer machen), könnte wohl der Acker 
bau unter sonst geordneten Verhältnissen und bei rationellem 
Betriebe zu ausserordentlicher Blüthe gebracht und das Land 
im vollsten Sinn des Wortes zu einer Getreidekammer Europa’s 
gemacht werden. Leider aber ist die Bearbeitung des Bodens so 
primitiv und den anderen Ländern Europa’s gegenüber so sehr 
zurück, dass in dem hiesigen Bezirke wol kaum mehr durch 
die Agricultur erzeugt wird, als die Deckung des einheimischen 
Verbrauches es erheischt, wobei jedoch schon Constantinopel 
auf den Import von aussen her angewiesen ist. In den meisten 
Districten besteht die Gewohnheit, die Felder in jedem dritten 
Jahre, nachdem sie zw 7 ei Jahre hindurch bebaut wurden, brach 
liegen zu lassen und während dieser zwei Jahre werden diese 
Felder gewöhnlich mit verschiedenen Früchten, jedoch nicht 
nach einem bestimmten System bebaut, während sie während 
ihrer Brachzeit im günstigen Falle irgend einem Schafherden 
besitzer für ein geringes Entgeld zur Schafweide vermiethet 
werden. Nach dieser, oft mehrere Jahre dauernden Brache wird 
der vergraste Boden dann im September oberflächlich auf 
gerissen, so bis November liegen gelassen, worauf dann der 
Same, grösstentheils Weizen, auf diesen Aufriss geworfen und 
derselbe sodann mit dem Pfluge noch einmal durchwühlt wird. 
Die meisten Culturgewächse werden im Herbste als Winter 
früchte angebaut und nur diese werden auf grösseren Flächen 
cultivirt. So der Weizen, die Gerste, der Hafer, der Lein, welche 
hauptsächlich — und Bohnen, welche nebenbei auch angebaut 
werden. Mais und Wicken werden im Frühjahr, der Tabak im 
April oder Mai angepflanzt. Die Düngung der Felder ist in der 
Türkei im Allgemeinen fast unbekannt, da der Landwirth die 
Kosten der Handarbeit beim Aufladen des Düngers, sowie dessen 
Verführung scheut, und der Dünger, der dann meist keine Ver 
wendung findet, bleibt in den Meierhöfen oft jahrelang angehäuft 
liegen, bis Regen und Wind für sein Verschwinden sorgt, und 
doch wäre bei dem ziemlich strengen Boden eine regelmässige 
Düngung zu einer rationellen Bewirthschaftung unbedingt noth- 
wendig und äusserst vortheilhaft. Ueberdiess wird auch bei dem 
gegenwärtigen Stande der Viehzucht, wo Stallfütterung zu den
	        
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