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Full text: Volkswirthschaftliche Studien über Constantinopel und das anliegende Gebiet: Beiträge des k. u. k. Consulates und der österreichisch-ungarischen Handelskammer in Constantinopel zur Darstellung des Welthandels und der Geschichte der Preise auf der internationalen Ausstellung in Wien 1873

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Seltenheiten gehört und das Vieh gewöhnlich auch während des 
selten strengen Winters bei Tage auf der Weide bleibt, meist sehr 
viel Dünger gewonnen. Die allerdings meist sehr bedeutenden 
Grundflächen, welche namentlich in Klein-Asien neben den un 
geheueren Weideflächen und Wäldern dem Ackerbau gewidmet 
sind, haben durchschnittlich sehr fruchtbaren Boden; bei dem 
gänzlichen Mangel von Strassen und anderen Verkehrsmitteln, 
an Ackerbau-Maschinen, an Aufmunterung des Landmannes von 
Seite der Regierung ist es jedoch erklärlich, dass der Bauer selten 
mehr als das für den eigenen Bedarf Nöthige producirt. Nur in 
den, in der Nähe von Häfen gelegenen Gegenden dürften sich 
vielleicht, wenn eine regelmässige und billige Schiffahrtsverbin 
dung besteht, die Conjuncturen für den Landmann so günstig 
gestalten, dass er aus seiner Trägheit herausgerissen wird und 
auch für den Export arbeitet. Der Feldbau geschieht noch in der 
primitivsten Weise und dürfte sich kaum vor der bei uns vor 1000 
Jahren gebräuchlichen Art unterscheiden; nur in der Nähe von 
Constantinopel existiren einige grössere Besitzungen von Tscliif- 
lik’s (namentlich Jalowa bei Brussa), auf welche schon die euro 
päischen Verbesserungen und Neuerungen in Anwendung gebracht 
wurden; es sind selbst Maschinen versucht worden, aber, wie es 
scheint, mit wenig Erfolg, da dieselben grösstentheils nur bei zu 
sammenhängenden grossen Feldflächen praktisch sind und die An 
schaffungskosten mit dem Gewinne nicht im Verhältnisse stehen. 
Da viel Ackerland bei schütterer Bevölkerung vorhanden ist, und 
namentlich auch sehr grosse Landgüter-Complexe in Händen von 
Einzelnen sind, die oft nicht die nöthigen Capitalien haben, ist 
die Bewirthschaftung der grösseren Güter äusserst einfach. Ein 
Theil des Ackerlandes wird angebaut und zwar gewöhnlich in 
nachstehender Reihenfolge: 
Nach der Brache oder den Brachfrüchten, unter welche vor 
züglich Tabak und Mais gehören, wird der vergraste Boden auf 
gebrochen und dann durch 2 bis 3 Jahre Weizen, Gerste und 
Hafer oder Lein angebaut, worauf das Land als Weide so lange 
wieder brach liegen bleibt, bis man es wieder für tragfähig ohne 
Anwendung von Dünger hält. So wird von einem grösseren Län- 
dercomplex gewöhnlich im Jahre nur der fünfte Theil mit allen 
Früchten bestellt, während die übrigen 4 Fünftheile des Acker-
	        
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