367
nur von der ärmeren Classe der Bevölkerung geraucht wird, da
die guten Tabaksorten aus Salonik und Trapezuht kommen. Die
Rebe gedeiht vorzüglich, doch ist in einem Lande, wo das herr
schende Volk sich des Weines enthalten soll, natürlich die Erzeu
gung dieses Getränkes auf einer sehr geringen Stufe, indem
nicht nur das Pressen der Trauben noch durch das Treten mit
den Füssen geschieht, sondern die Behandlungsweise überhaupt
eine so schlechte ist, dass sich der Wein nicht hält und daher
gewöhnlich gekocht wird. Obstbäume gedeihen vorzüglich und
bringen schöne und viele Früchte, doch schenkt man der Obst-
cultur zu wenig Aufmerksamkeit und schwingt sich selten zu
einer Veredlung des Obstes, welche sicherlich ausserordent
liche Erfolge hätte, empor. Dasselbe gilt von den Maulbeeren,
die hie und da, z. B. in Jalowa und um Brussa, viel gepflanzt
werden. Oliven, obwol dieselben sehr gut fortkommen, werden
selten cultivirt, doch finden sie sich in grosser Menge im Küsten
gebiete von Karassy am ägäischen Meere. Aeusserst schwer
ist es, genaue Ziffern über den Werth des Grund und Bodens zu
geben, denn so theuer die Grundstücke, namentlich kleinere, in
der unmittelbarsten Nähe Constantinopel’s und anderer grösserer
Häfen und Handelsstädte sind, eben so billig sind namentlich die
tiefer im Lande liegenden, grösseren Landgüter. Im Innern
des Landes kann man beispielsweise für 500.000 Piaster
(circa 40.000 fl. Silber) ein Landgut von 19.000 Donoum, d. i.
2634(4 Joch, und zwar nicht ein Gut von schlechter Boden
beschaffenheit oder vernachlässigtem Zustande, sondern bei
gutem Bauzustande der Wirtschaftsgebäude und bei landes
üblich guter Cultur mit dem gesammten Viehstande, Fundus
instructus und Samen erstehen. Die Ursache dieser geringen
Bodenbewerthung liegt namentlich in dem grossen Mangel an
Kapitalien und Arbeitskräften, grösstenteils auch in jenem an
Communicationen, sowie in dem Umstand, dass die Capitalien
meistens in den Händen Einzelner Weniger angesammelt sind
und von diesen dann zu lucrativen Handels-Speculationen ver
wendet werden, indem bei der landesüblichen Bewirthschaftungs-
weise Landgüter nur 9—10®/ 0 Reinertrag abwerfen. Gewöhnlich
verpachtet der reiche Besitzer und Bauer die Felder an den
armen Bauer, gibt ihm auch den Samen und teilt dagegen den