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F. Handels - Usancen.
Da der Ackerbau im kiesigen Bezirke noch auf der aller-
niedrigsten Stufe stellt und, wie früher angeführt, auch die
Besitzer grösserer Landcomplexe dieselben meistentheils an die
ärmeren Landleute verpachten, kann man von grossen Getreide
geschäften und von bedeutenden Getreideproducenten kaum
sprechen. Im Allgemeinen kaufen die Getreidehändler das
Getreide von den einzelnen Landsleuten in kleinen Partien und
stets gegen Baarzahlung und diess namentlich auf den verschie
denen Wochenmärkten (Bazars) und den in einzelnen Districten
abgehaltenen Messen. So werden namentlich in Kleinasien jähr
lich drei grössere Messen abgehalten, welche für die dortigen
Bewohner noch immer von grosser Bedeutung und sehr besucht
sind, da namentlich die Bewohner der inneren Districte Anato
liens durch die noch immer mangelhaften Verbindungen dahin
gezwungen sind, diese Messen zu besuchen, um ihre Erzeugnisse
zu Markte zu bringen und dort gegen europäische Erzeugnisse
umzutauschen. Das Getreide wird gewöhnlich auf dem Rücken
von Pferden, Eseln, Maulthieren und Kameelen in Säcken zu
Markte gebracht. Als Maass dient der Footin = 148 Litres oder
2 Wiener Metzen, 3 Achtel, ö’/ 8 Becher, welcher 4 Kilo hat.
1 Kilo zu Konten = 37 Litres oder 4 Achtel, 13 1 Becher,
1 Konten = 4-625 Litres oder 9'yj e Becher.
Als Gewicht dient der Kantar = 1 Zollcenter oder 44 Oka.
Als Flächenmaas endlich dient der Donotun = 9-1930 Ares
oder 27 Wiener QKlafter, 28 9 / 10 QFuss oder 0-0174 Wiener Joch.
II. Import.
A. Provenienz.
Das in Constantinopel eonsumirte Getreide, welches nicht
aus dem Bezirke dieses Consulates kommt, wird grösstentkeils
aus Bulgarien gewonnen, und zwar aus den fruchtbaren, nörd
lich von Varna gelegenen Gegenden, welche bis zu der in
gerader Richtung 36 Wegstunden entfernten Donau (bei Rust-
schuk) sich hinziehen und in einer Breite von 12 bis 15 Weg
stunden, links mit Schumla und Tirnova, an die Balkankette
und rechts mit Bazardschik und Silistria, an das Hochplateau
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