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Frachten können, mit geringen Ausnahmen, in Varna selbst
nicht abgeschlossen werden, weil der offenen ßhede wegen nur
höchst selten disponible, d. h. fruchtsuchende, Schiffe daselbst
anlaufen. Man wendet sich daher für den Bedarf eben an die
Schiffsmakler in Constantinopel, welche das Getreide abholen,
um es nach Constantinopel zu bringen oder in die Häfen des
Mittelmeeres zu führen.
Der gewöhnliche Frachtsatz bis Constantinopel dürfte auf
V* bis 3 A Francs kommen, wozu noch circa 2«/ 0 Assecuranz und
die wenigen Ausladespesen hinzukommen.
F. Handels-Usancen.
Da in Varna keinerlei Banken oder Filialen derselben exi-
stiien und die Einkäufe stets gegen Baarzahlung gemacht wer
den können, müssen die dazu nöthigen Fonds von Constantinopel
aus herbeigeschafft werden. Es ist desshalb Usance, dass jede
Einkaufsordre sowol aus Constantinopel als auch aus dem Aus
lande mit den entsprechenden Accreditivs auf Plätze, deren
Papiere in Constantinopel am leichtesten negozirt werden können,
begleitet wird, und der Commissionär trassirt sodann ä 3 Monate
dato bei Beginn der Einkäufe.
Diese Tratten muss derselbe an seinen Banquier in Con-
stantiuopel zur Bezahlung einsenden und erhält dagegen in den
meisten Fällen Baarsendung; doch kommt auch, obwol nur für
kleinere Beträge, Gelegenheit vor, dass ä 3—5 Tage Sicht auf
den Banquier in Constantinopel begeben werden kann, wodurch
dann Geldporto und Assecuranz der entsprechenden Beträge
erspart werden kann. Auf solche Gelegenheit ist aber selten mit
Sicherheit zu rechnen.
G. Import-Firmen.
Das Getreide-Import-GeschäftConstantinopels liegt grössten-
theils iu den Händen der Griechen, und es sind namentlich die
nachstehenden Firmen zu erwähnen: Fratelli Vagliano,
Dimitrocopulos, Balli, Krikozo, sämmtlich Griechen;
Stefanovich, Piedemonte, Santoro, Italiener; Trano,
Oesterreicher; Brockelmann und Hartogg, Deutsche.